Mai 2014

Götterdämmerung bei der Presse?

Es läuft nicht wirklich gut für die Printmedien. Die Einnahmen der Tageszeitungen in Deutschland aus Werbeanzeigen gingen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2012 um 9,4 Prozent zurück. 9,4 Prozent! Die einzigen Antworten, welche die Branche auf diesen dramatischen Einbruch bisher gefunden hat, zeigten nur wenig Erfolg: Höhere Abo- und Einzelhandelspreise, Entlassung von Mitarbeitern und Diversifizierung im Digitalbereich. Es stellt sich die Frage, wie lange die Verlage noch an der Preisschraube ihrer Produkte drehen können, wenn im Internet die meisten Informationen auch kostenlos verfügbar sind. Unter dem Abbau von Redaktionspersonal leidet die Qualität und die Ausdehnung des Leistungsspektrums auf Internetportale, welche nur peripher etwas mit Journalismus zu tun haben, verwässert den Markenkern und die Glaubwürdigkeit des Mediums.


Qualitätsjournalismus made in Germany

Das Statistische Bundesamt hat heute bekanntgegeben: „Der Anteil der Singlehaushalte in Deutschland liegt bei 37,2 %; damit leben 17,1 % der Bevölkerung allein.“ Welche Schlagzeile macht Süddeutsche.de daraus? Diese: Früher konnte man sich darauf verlassen, dass man in Regionalzeitungen mit Sicherheit auf einen Fehler stieß, wenn ein Artikel mehr als drei Prozentwerte aufwies. Diese Regel scheint jetzt auch für Qualitätsmedien zu gelten. Nachtrag, 28. Mai 2014, 14:20 Uhr: Spiegel Online wollte Süddeutsche.de wohl das Siegel „Qualitätsjournalismus“ nicht alleine überlassen: Update, 28. Mai 2014, 16:00 Uhr: Süddeutsche.de hat die Überschrift geändert in: „Fast 40 Prozent Singlehaushalte in Deutschland“.


Genügsamkeit oder Manipulation?

Bei der Wahlberichterstattung in der ARD am vergangenen Sonntag zur Europawahl wurde ein Umfrageergebnis zur persönlichen wirtschaftlichen Situation der Bundesbürger veröffentlicht. Laut dieser Umfrage empfanden nur 16 Prozent der Befragten ihre wirtschaftliche Situation als schlecht. Gestern gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass ein Drittel der Bevölkerung (33,4 Prozent) unerwartet anfallende Ausgaben, etwa für größere Anschaffungen oder Reparaturen, nicht aus eigenen Finanzmitteln bestreiten kann. Wenn ich in finanzielle Schwierigkeiten gerate, wenn eine unerwartete Anschaffung oder Reparatur ansteht, würde ich meine persönliche wirtschaftliche Situation als schlecht einstufen. Worin liegt also diese Diskrepanz begründet? Laut Umfrage empfinden nur 16 Prozent der Deutschen ihre persönliche wirtschaftliche Situation als schlecht, aber 33 Prozent können sich nicht einmal eine neue Waschmaschine leisten und müssten sich dafür verschulden. Sind die Deutschen wirklich so genügsam? Oder könnte doch ein anderer Verdacht eine bessere Erklärung für dieses Missverhältnis liefern? Es ist durchaus bekannt, dass Umfragen einerseits durch die Fragestellung manipuliert werden können. Andererseits kann man wohl davon ausgehen, dass Menschen in einem gesellschaftlichen Umfeld, dass Armut lediglich durch eigenes Verschulden erklärt, davor zurückschrecken, öffentlich zu erklären, sie befänden sich in einer schlechten wirtschaftlichen Lage. Die Mitteilung des Statistischen Bundesamtes zeigt auch noch etwas anderes. Die wirtschaftliche Lage der Privathaushalte…


Vulkan Europa steht vor dem Ausbruch

Es kam wie befürchtet: Die europakritischen und -feindlichen Parteien waren die großen Gewinner bei der gestern zu Ende gegangenen Europawahl. Während sich Deutschlands Wahlergebnis lediglich durch das Abschneiden der AfD deutlich von früheren Urnengängen unterschied, fanden in manchen europäischen Ländern wahre politische Erdrutsche statt. In Frankreich und Großbritannien konnten sich UKIP und Front National sogar als Wahlsieger feiern lassen. Über 100 Europaskeptiker und -feinde werden sich im neuen Parlament wiederfinden. Das vielleicht wichtigste Wahlergebnis gab es jedoch in einem südeuropäischen Land.


Netto-Investitionen der Euro-Staaten 2013 erstmals im Minus

2013 lagen die öffentlichen Investitionen der Euro-Staaten erstmals niedriger als die Abschreibungen. Europas Staaten zehren also von der Substanz – so wie Deutschland seit 2003. Damit vergeben sie die beste Chance, aus der Krise herauszuwachsen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, das europäische Statistikdaten ausgewertet hat.


Gewollte Schieflage

6.300 Milliarden Euro. Eine wahrhaft gewaltige Summe. So viel besitzen die deutschen Privathaushalte nach Abzug ihrer Verbindlichkeiten. Durchschnittlich verfügt ein Deutscher somit über ein Nettovermögen von etwa 83.000 Euro. So zumindest die Theorie nach einer Schätzung des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V.) in Berlin. Doch der schöne Schein trügt. Denn das Vermögen ist ungleich verteilt. Sehr ungleich, wie folgende Grafik zeigt:


Lackmustest für die Union

Am kommenden Sonntag findet die Europawahl statt. Während diese in Deutschland eher gelangweilt aufgenommen wird, könnte in Griechenland ein politischer Erdrutsch einsetzen. Dort finden neben der Europawahl auch Stichwahlen in den Kommunen statt. In der ersten Runde konnten sowohl die linke Oppositionsallianz Syriza als auch die Rechtsnationalisten von der Goldenen Morgenröte sehr gute Ergebnisse erzielen. Syriza wird in Umfragen vorhergesagt, bei der Europawahl die konservative Regierungspartei Nea Demokratia sogar in der Wählergunst überholen zu können. Auf den ersten Blick hat dies wenig mit Deutschland zu tun. Doch ein Sieg von Syriza könnte den Druck auf die Regierung Samaras in Athen so weit erhöhen, dass in Griechenland vorgezogene Neuwahlen stattfinden. Sollte sich dort der Erfolg der Linken wiederholen, würde dies CDU/CSU vor ein immenses Problem stellen.


Kein Blick zurück

Fünf Ziele für Europas Zukunft hat der Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten zur Europawahl, Martin Schulz, formuliert. Eine gute Gelegenheit, diese einem Realitätscheck zu unterziehen.  1. Demokratie Bei der anstehenden Europawahl sind 400 Millionen Bürgerinnen und Bürger zur Wahl aufgerufen. Zum ersten Mal haben wir uns darauf verständigt, europaweite Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten aufzustellen. Das ist eine demokratische Epochenwende. Das Auskungeln der europäischen Spitzenjobs wird damit beendet. Wer behauptet, die Europawahl habe keine Relevanz, schadet der Demokratie in Europa.Ich rufe alle Demokraten auf, zur Wahl zu gehen, um durch eine hohe Wahlbeteiligung zu verhindern, dass Rechtsradikale ins Europäische Parlament einziehen. Allgemeine Floskeln und ein genereller Aufruf, wählen zu gehen, um die Rechtsradikalen nicht zu stark werden zu lassen. Unter einer echten demokratischen Epochenwende wäre zu verstehen, dass endlich der Einfluss der Brüsseler Lobby zurückgedrängt würde und der Wählerwille wieder im Vordergrund stünde.


Wer ist der Aggressor?

In immer schnellerem Tempo zerfällt die Ukraine. Nach den Referenden in den Gebieten Donezk und Luhansk droht die Abspaltung der mehrheitlich russischsprachigen Gebiete. Als Gründe für die Loslösung von der Ukraine geben die Separatisten mehrere Gründe an: Zum einen befürchten sie, dass mit dem Ende von Russisch als Amtssprache auch ihre Rechte zurückgedrängt werden sollen. Zum anderen erkennen sie die neue Regierung in Kiew nicht an. Sie sehen in ihr eine Marionette des Westens und der USA. Neue Meldungen lassen diesen Verdacht immer wahrscheinlicher werden.


Relaunch von „politecho“

Der Journalismus unterliegt einem stetigen Wandel. Besonders das Internet sorgt dafür, dass sich vieles im Umbruch befindet. Von diesem Umbruch ist auch „politecho“ nicht ausgenommen. In den nächsten Wochen und Monaten steht ein Neustart von „politecho“ an. Die genauen Änderungen an Ausrichtung, Autoren, Design und Bandbreite stehen noch nicht fest und werden sich erst in einer Übergangsphase herauskristallisieren. Einige Punkte sind jedoch schon klar.