Juli 2014

Gerechtfertigte Kritik oder Antisemitismus?

Im Medienhype um den Absturz der Boeing 777 in der Ostukraine geht der Krieg im Gazastreifen und Israel beinahe unter. Doch dort sterben ebenfalls viele Menschen in einer sinnlosen Auseinandersetzung. Mehrere Hunderte Opfer sind seit Beginn der Kämpfe zu beklagen – vor allem auf palästinensischer Seite. Doch aufgrund der Geschichte des Landes und seiner Bevölkerung ist Kritik an Israel immer eine Gratwanderung. Besonders Deutschland hat durch den Holocaust eine besondere Verantwortung. Aber besteht dadurch nicht die Gefahr, dass Israel diesen beispiellosen unmenschlichen Schlag gegen ein Volk in der Vergangenheit zum eigenen Vorteil in der Gegenwart ausspielt?


Zündeln für den Dritten Weltkrieg

Noch ist unklar, wer für den vermutlichen Abschuss der Boeing 777 über der Ostukraine die Verantwortung trägt. Doch für die „Bild“ und die meisten anderen deutschen Medien ist der Schuldige klar: der Teufel höchstpersönlich, Russlands Präsident Wladimir Putin. Ein Eingreifen der NATO in den Bürgerkrieg in der Ukraine wird immer vehementer gefordert.


Der Krieg Reich gegen Arm

Fast 300 Menschen freuten sich auf Ihren Urlaub in Südostasien – und starben in der Ostukraine. Vermutlich abgeschossen mittels einer Boden-Luft-Rakete. Sie sind damit die ersten westlichen Zivilisten, die im ukrainischen Bürgerkrieg starben – und zählen damit zu den nächsten Opfern des Krieges Reich gegen Arm. Der Konflikt in der Ukraine ist der nächste Schritt in der Auseinandersetzung um die Macht im 21. Jahrhundert. Mehrere Blöcke streben nach der Vormachtstellung in der Zukunft und tragen dabei ihren Kampf auf dem Rücken der Menschen weltweit aus. Doch im Grunde liegen die Frontlinien an ganz anderer Stelle. Denn auch wenn vordergründig die USA und Europa mit Russland ringen, unterscheiden sich die Systeme nur geringfügig. Überall herrscht eine Elite mit unbegrenzten finanziellen Mitteln und bestimmt zu weiten Teilen über das Schicksal der Bevölkerung. Dies soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass zusätzlich auch zwischen den einzelnen Blöcken um einen größeren Anteil am Kuchen gerungen wird.


Auf einem Auge blind

Das ZDF ehrte in den vergangenen Wochen „Deutschlands Beste“. Doch nicht nur, dass die beiden Sendungen ein weiterer Beleg für die Belanglosigkeit und Beliebigkeit der meisten Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk waren. Es wurde bei den Ranglisten auch noch getrickst. So sollten neben den Ergebnissen einer Forsa-Umfrage auch die Beliebtheitswerte einer Online-Umfrage und eines „Hörzu“-Leseraufrufes in die Rangfolge einfließen. Doch zunächst wurde vom ZDF beschlossen, nur die Werte der Forsa-Umfrage zu nutzen. Dieser Schritt wäre noch vertretbar, sind doch Online- oder Zeitschriftenumfragen wenig repräsentativ. Aber im nächsten Schritt änderten die Macher der Sendung auch gleich noch die Reihenfolge, um die eingeladenen Gäste höher in der Rangliste einzustufen. Ein peinlicher Fauxpas für das ZDF? Viel mehr als das. Ein Fernsehsender, zumal ein öffentlich-rechtlicher, hat eine große Verantwortung gegenüber seinen Zuschauern. Und bereits der geringste Verdacht, die Objektivität würde nicht so ernst genommen, erschüttert das Vertrauen auch in ganz anderen Bereichen.


Besonders gute Ausbeutung

„Leck mich – ist das billig“ oder „Geiz ist geil“ – wenn die Deutschen immer weniger im eigenen Portemonnaie haben, müssen die Produkte halt günstiger werden. Und wie schafft man das? Am besten, indem man als Unternehmer niedrige Gehälter bezahlt. Ganz weit vorne an der Lohndrückerfront sind die Discounter. Zahlreiche Skandale wurden bei Aldi, Lidl und Co. bereits aufgedeckt: Unbezahlte Überstunden, keine Pausen, Kündigungen aus geringsten Anlässen und Filialschließungen, die vermutlich nur durchgeführt wurden, um einen Betriebsrat zu verhindern. Doch der  „Netto“ Marken-Discount schickt sich jetzt an, dieses miese Image aufzupolieren. In seiner Stellenanzeige zeigt der freundliche Discounter von nebenan, dass es auch anders gehen kann.


Nie wieder Krieg?

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien dominiert derzeit die Schlagzeilen. Verdrängt werden davon Berichte über eine weitere Eskalation der kriegerischen Konflikte in aller Welt. Im Osten der Ukraine sterben täglich Dutzende Menschen in einem neuen Bürgerkrieg mitten in Europa. Und auch die Gewaltspirale zwischen Israel und Palästina dreht sich immer weiter. Auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und dem Libanon folgen Bombardierungen durch die israelische Luftwaffe. Und umgekehrt. Der gesamte Nahe Osten scheint sich in letzter Zeit immer mehr in ein unkontrollierbares Pulverfass zu verwandeln: In Syrien tobt immer noch ein grausamer Bürgerkrieg, während im Irak die staatlichen Strukturen Schritt für Schritt in sich zusammenbrechen. Ausgerechnet in dieser Zeit häufen sich die Forderungen, Deutschland müsse mehr Verantwortung übernehmen – sich also an zukünftigen Kriegen beteiligen. Unabdingbar dafür sollen bewaffnete Drohnen in Händen der Bundeswehr sein. Doch tritt man einmal einen Schritt zurück, muss sich jeder mit etwas Verstand gesegnete Mensch doch fragen: Was soll dieser unerträgliche Unsinn? Wieso gelingt es der Menschheit nicht, diese archaische Kultur des gegenseitigen Abschlachtens in die Geschichtsbücher zu verbannen?


Der Schein trügt

Wer die Meldungen über die wirtschaftliche Situation in Deutschland beobachtet könnte vermuten, dass die ökonomischen Kennzahlen in eine positive Richtung zeigen. Hohes Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosigkeit dürften in diesen goldenen Zeiten für Deutschland doch selbstverständlich sein. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Im Jahr 2012 betrug das Wirtschaftswachstum lediglich 0,7 Prozent. Und im vergangenen Jahr sank dieser Wert sogar auf 0,4 Prozent. Zwar rechnen die Glaskugel-Gucker in diesem Jahr mit einem Anziehen der Wirtschaftsleistung, doch viele Unwägbarkeiten könnten dieser Hoffnung einen Strich durch die Rechnung machen: Eskalation in der Ukraine-Krise, Deflationsgefahren in der Eurozone oder eine Ausweitung des Irak-Konflikts – um an dieser Stelle nur einige Brennpunkte zu nennen.


Von deutschem Boden darf wieder Krieg ausgehen

Deutschland kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken: Den 1. Weltkrieg zumindest mit verursacht, den 2. Weltkrieg ganz alleine in blindem Rassenwahn vom Zaun gebrochen. Welches Land kann das schon von sich behaupten? Es ist also nicht verwunderlich, dass das neu entstandene Westdeutschland nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches von den drei Siegermächten zunächst einmal militärisch kurz gehalten wurde. Doch schnell zeigte sich, dass gegen den neuen Feind im Osten eine bewaffnete BRD unabdingbar war. Nach vier Jahrzehnten Kaltem Krieg brach die Sowjetunion schließlich zusammen und der Warschauer Pakt auseinander. Der NATO ging damit der direkte Feind verloren. Über ein Jahrzehnt war das Verteidigungsbündnis eigentlich nutz- und sinnlos. Doch mit 9/11 änderte sich das schlagartig. Der Terrorangriff auf die USA löste den ersten Bündnisfall in der Geschichte der NATO aus. Und wie sich zeigt, ist das Militärbündnis gewillt, in Zukunft einen noch härteren Weg einzuschlagen.


An der Uni lehrt die Oberschicht

Uni-Professoren stammen mehrheitlich aus der Ober- und der oberen Mittelschicht. Zwar konnten nach dem Ausbau der Hochschulen in den 1970er-Jahren mehr Arbeiterkinder studieren, doch einen Lehrstuhl zu erreichen, wurde für sie noch schwieriger. Nur jeder neunte Universitätsprofessor hat einen Arbeiter, kleinen Angestellten oder einfachen Beamten als Vater. Mehr als ein Drittel ist dagegen in einem Haushalt leitender Angestellter, Beamter oder Freiberufler mit gutem Einkommen aufgewachsen. Dies zeigt eine Untersuchung der Sozialforscherin Christina Möller von der Universität Paderborn. Möller hat mit Förderung der Hans-Böckler-Stiftung rund 1.300 Uni-Professoren in Nordrhein-Westfalen zu ihrem sozialen Hintergrund befragt – und die Ergebnisse zu Erwerbstätigen- und Studierendenstatistiken in Beziehung gesetzt. Denn erst so wird deutlich, wie wenig die akademische Elite die soziale Schichtung des Landes repräsentiert.


Der Glückliche ist gefunden

Es ist eine wirklich erfreuliche Nachricht. Der Mindestlohn kommt auch in Deutschland. Einziger Nutznießer des flächendeckenden Mindestlohnes ist Max Mustermann aus Musterstadt. „Ich freue mich natürlich riesig, dass ausgerechnet ich von dieser tollen sozialstaatlichen Errungenschaft profitieren kann“, sagte der promovierte Sozialwissenschaftler, der derzeit in Nordrhein-Westfalen als Lagerfacharbeiter tätig ist. Die Große Koalition hatte größte Anstrengungen auf sich genommen, dem Beispiel der meisten EU-Länder zu folgen und ebenfalls eine Lohnuntergrenze einzuführen. „Es ist ein großer Tag für Deutschland“, diktierte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz den anwesenden Journalisten in die Notizblöcke und schüttelte dem anwesenden Mustermann die Hand. Dieser Meilenstein der Sozialpolitik könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, so Merkel weiter. Der Mindestlohn-Empfänger fasste seine Freude in die Worte: „Ich kann mein Glück noch gar nicht fassen. Ab 2015 bekomme ich 8,50 Euro pro Stunde. Das macht ja dann einmal umgerechnet 600 Euro Rente im Monat. Wirklich toll.“