Januar 2015


Kommt der nächste Finanzcrash?

Die Finanzkrise von 2008 ist überwunden – sagen die Optimisten. Wir sind noch mitten drin in der Krise, meinen die Pessimisten. Die Ansichten über die derzeitige Lage der globalen Ökonomie gehen unter den Experten weit auseinander. Doch ein Indikator zeigt, dass wir möglicherweise vor dem nächsten großen Crash stehen. Der Rückgang des Ölpreises könnte einen deutlichen Hinweis darauf liefern, dass das Schlimmste noch nicht vorbei ist, sondern erst noch auf uns zukommt.


Ihre Einsätze, bitte

Er ist das Feindbild aller „Systemparteien“ Europas: Alexis Tsipras. Intelligent, sprachgewandt, links. Und dann wagt er es auch noch, bei seiner Einsetzung ins Ministerpräsidentenamt auf religiöse Eidesformel und obligatorische Krawatte zu verzichten. Erinnerungen an Joschka Fischer und seine Turnschuhe werden wach. Doch wie stehen die Chancen, dass Tsipras nicht wie Fischer den Weg von links quer durch die Parteienlandschaft in den Schoß des Kapitals findet?


Wiege echter Demokratie?

Syriza hat es wirklich geschafft: Trotz – oder gerade wegen – all der Märchen und Drohkulissen, die in den vergangenen Wochen vor dem griechischen Wähler aufgebaut wurden. Mit 36,3 Prozent der Stimmen verwies Syriza die bisher regierende Nea Dimokratia mit über acht Prozent Rückstand auf Platz 2. Nach Auszählung von 99,8 Prozent der Stimmen wird die Partei des zukünftigen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras die absolute Mehrheit von 151 Sitzen nur knapp um zwei Sitze verfehlen. Doch wie wird sich dieses Wahlergebnis auf die gesellschaftszerstörende Austeritätspolitik der Troika auswirken?


Die Saat geht auf

Dann marschieren sie halt in Leipzig. Nachdem die Pegida-Demonstration am vergangenen Montag aus Sicherheitsgründen (angeblich reichte dazu ein (!) Droh-Tweet) abgesagt wurde, ist das Ziel der Islam-Kritiker nun Leipzig. Zu Legida werden 30.000 bis 40.000 Teilnehmer erwartet, bei den Gegendemonstrationen sogar noch mehr. Aufgrund der aufgeheizten Stimmung besteht die Gefahr, dass es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kommt. Auch in den politischen Parteien kocht der Streit darüber hoch, ob man mit Pegida und Co. diskutieren sollte oder nicht. Ja, soll man nun oder nicht?


Reale Tarifsteigerungen von 2,2 Prozent

Die Tariflöhne haben im Jahr 2014 real (nach Abzug der Inflation) spürbar zugelegt. Die Verbraucherpreise sind im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent gestiegen, die Tarifvergütungen dagegen um nominal 3,1 Prozent. Daraus ergibt sich im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt ein reales Wachstum der Tariflöhne und -gehälter um 2,2 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Bilanz der Tarifpolitik des Jahres 2014, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung in der vergangenen Woche vorgelegt hat. Wie in den meisten der vergangenen zehn Jahre entwickelten sich die Effektivlöhne, also unter Einbeziehung auch nicht tarifgebundener Arbeitsverhältnisse, mit 1,8 Prozent realem Wachstum schwächer als die Tariflöhne.


Linke = Antisemiten?

Von konservativer Seite wird immer wieder behauptet, dass die Kritik an Israel im Nahostkonflikt von der linken Seite nicht darauf beruht, die Unterdrückung der Palästinenser zu kritisieren, sondern im Grunde in einem latenten Antisemitismus begründet liegt. Mehrere Studien von Wilhelm Kempf, die demnächst wohl unter dem Titel „Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee. Eine Spurensuche“ als Buch erscheinen, widerlegen diese Vorwürfe jedoch eindrucksvoll, zumindest was die Selbsteinschätzung der Wähler „linker“ Parteien betrifft.


Die Macht der Bilder

1,5 Millionen Menschen nahmen am vergangenen Sonntag in Paris an einem Trauerzug im Gedenken an die Opfer der terroristischen Anschläge teil. An der Spitze Regierungschefs aus der ganzen Welt – unter ihnen Frankreichs Präsident François Hollande, Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. An der Spitze des Zuges? Wie sich erst nach einiger Zeit herausstellte, fanden sich die Staatschefs lediglich zu einem Fototermin in der französischen Hauptstadt ein. Weit ab von den Massen – für die meisten Medien dennoch mittendrin. Zumindest sollte dieser Eindruck vermittelt werden. Auf den Vorwurf der Manipulation hingewiesen, reagierten die Mainstream-Medien wie üblich – mit harschen Vorwürfen gegen die Kritiker.


Umtriebige Supermacht

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Vereinigten Staaten von Amerika unangefochten Wirtschaftsmacht Nummer 1. Um diesen Vormachtanspruch auch politisch und militärisch durchzusetzen, intervenierten sowohl demokratisch als auch republikanisch geführte Regierungen der USA massiv in vielen anderen Ländern. Auch der Zusammenbruch des Ostblocks schmälerte nicht die Lust auf US-amerikanische Auslandsabenteuer. Kaum eine Region der Erde stand nicht unter dem Einfluss der Vereinigten Staaten.


Und jetzt „All In“

Wie bereits erwartet kommt es zu Beginn des Jahres 2015 zum großen Showdown zwischen Berlin und Athen. Nachdem es der aktuellen Regierung am 29. Dezember 2014 auch im dritten Wahlgang nicht gelungen war, ihren Kandidaten Stavros Dimas zum Präsidenten wählen zu lassen, finden am 25. Januar in Griechenland Neuwahlen statt. Die Umfragen sagen dabei einen Sieg der linken Syriza voraus – und damit vielleicht den entscheidenden Wendepunkt in der Eurokrise.