Februar 2017

Same procedure as every election

Jetzt haben sie also die soziale Gerechtigkeit wiederentdeckt, die Sozen. Pünktlich zum Wahlkampf haben sie sie gefunden, ganz versteckt war sie unter dem Müll namens Neoliberalismus. Auch ziemlich verstaubt ist sie in den letzten vier Jahren. Aber was ein Martin Schulz ist, der wicht – Verzeihung – wischt da schnell mal drüber und schon glänzt sie wieder wie neu. Fällt auch überhaupt nicht auf, haben die meisten Wähler doch die Aufmerksamkeitsspanne einer Amöbe.


Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied

Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Leistungsfähigkeit eines Menschen, sowohl geistig als auch körperlich, zu einem großen Teil von seinen Genen bestimmt wird. Der genaue Anteil schwankt je nach Studie, bei der Intelligenz legen Untersuchungen einen Anteil von 70 bis 80 Prozent nahe. Der fehlende Teil wird durch die Umwelt bestimmt, auch wenn verkappte Eugeniker wie Herrnstein und Murray oder Sarrazin dies gerne verleugnen. Von staatlicher Seite wird versucht, den Einfluss der sozioökonomischen Herkunft zu verringern. Bei uns in Deutschland in den Siebzigern mehr, seit den Achtzigern deutlich weniger. Geschehen soll dies vor allem durch ein gerechteres Bildungssystem, das bestehenden Nachteilen entgegenwirkt und diese im günstigsten Fall sogar aufhebt. Es steht außer Frage, dass diese Anstrengungen von den bisherigen Gewinnern der Lebenslotterie torpediert werden. Durchaus erfolgreich, wie zum Beispiel die Studienabschlussquote von Arbeiterkindern zeigt, die noch immer weit unter der von Akademikerkindern liegt.


Der Blitzableiter wird aufgebaut

In den letzten Monaten war viel die Rede von Fake News und alternativen Fakten. Jüngste Umfragen von Forsa und INSA prophezeien der SPD bei der kommenden Bundestagswahl 31 Prozent der Stimmen – ein weiterer eindeutiger Fall für die Wahrheitsbehörde? Die Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten der SPD beflügele die Partei, doch aus dem Stimmentief von 21 Prozent innerhalb von zwei Wochen auf 31 Prozent, also fast um die Hälfte mehr Wähler? Kaum zu glauben. Seit Jahren weichen die politischen Umfragen stark von den tatsächlichen Wahlergebnissen ab, also könnte auch dieses Stimmungsbild verzerrt sein. Die Frage, ob die Diskrepanz zwischen Vorhersage und Ergebnis darin begründet liegt, dass die Umfragemethoden veraltet sind und kein genaues Abbild der Gesellschaft mehr erfassen, oder darin, dass mit Umfragen Politik betrieben werden soll, muss an dieser Stelle unbeantwortet bleiben. Mit großer Sicherheit hingegen kann festgestellt werden: Auch ein „Höhenflug“ der SPD wird nicht zu einem Politikwechsel führen.