April 2017

Frankreich bringt nicht die Wende

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl  in Frankreich hätte ein wichtiger Wendepunkt sein können – hin zu einer besseren Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Europäischen Union. Doch Jean-Luc Mélenchon landete nur auf dem 4. Platz und verfehlte die Teilnahme an der Stichwahl in zwei Wochen um lediglich 1,8 Prozentpunkte. So müssen sich die Wähler am 7. Mai zwischen dem Neoliberalen Macron und der Nationalistin Le Pen entscheiden. Für die Zukunft der EU und damit auch Deutschlands sind beide Optionen sehr negativ.


Die Frankreich-Wahl in der Tagesschau

Die Tagesschau lieferte gestern um 20 Uhr ein interessantes Beispiel dafür, wie Medien dezent ihre Zuschauer manipulieren. Im Beitrag zur Frankreich-Wahl (ab Minute 1:33) wurde alleine mit der Länge der Berichterstattung über die vier aussichtsreichsten Kandidaten deutlich, welche Präferenzen man in der Tagesschau-Redaktion hegt. So wurden Macron 18 Sekunden Sendezeit zuteil, für Le Pen standen 9 Sekunden zur Verfügung. Während Fillon es auf 14 Sekunden Beitragszeit brachte, blieben für Mélenchon lediglich 5 Sekunden. Es ergibt sich also folgende Reihung nach Sendezeit: Macron, Fillon, Le Pen, Mélenchon. Zufälligerweise stimmt diese auch mit der Einschätzung der Kandidaten durch die Redaktion überein. Macron war in den vergangenen Wochen und Monaten der Liebling der Tagesschau und wurde zur Lichtgestalt hochgejubelt. Fillon stürzte über eine Affäre, wurde aber dennoch als vernünftige Alternative zu Le Pen und Mélenchon präsentiert. Passend dann auch der Off-Text zur Vorstellung von Jean-Luc Mélenchon: „(Der bekennende Katholik [François Fillon, Anm. d. V.] hatte in den letzten Tagen aufgeholt), genau wie der Kandidat der radikalen Linken, Jean-Luc Mélenchon“. … genau wie der Kandidat der radikalen Linken, Jean-Luc Mélenchon. Ein Nebensatz, in den auch noch der Vorwurf einfließen konnte, dass Mélenchon radikal links ist – obwohl er eigentlich nur traditionelle sozialdemokratische Forderungen stellt….


Der unbekannte Kandidat

Informiert man sich aus den Leitmedien über die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich, kann man den Eindruck gewinnen, dass sich lediglich drei Kandidaten Chancen auf das Amt ausrechnen können. Da wären Marine Le Pen vom Front National, François Fillon von den Republikanern und der „unabhängige“ Emmanuel Macron. Nachdem der frühere Favorit Fillon aufgrund der umstrittenen Beschäftigung von Verwandten in den Umfragen auf etwa 18 Prozent abgesackt ist, liefern sich Macron und Le Pen mit jeweils ungefähr 25 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen. An Fillon ist, von den Medien in Deutschland nahezu unbemerkt, ein vierter Kandidat herangerückt: Jean-Luc Mélenchon. Dieser tritt für die Partei La France insoumise (Das aufständische Frankreich) an und wird in den Umfragen inzwischen bei über 15 Prozent gesehen. Damit hat er Benoît Hamon überholt, der für die Sozialisten ins Rennen geht, die mit François Hollande den derzeitigen Präsidenten stellen. Doch das mediale Schweigen um den linken Kandidaten ist typisch für das Vorgehen der Journalisten in den vergangenen Jahren, auch wenn diese nach dessen Sieg beim gestrigen TV-Duell notgedrungen mehr über ihn berichten müssen.