Abgerissene Hände und vergessene Ausweise

Kommt doch schon mal vor, dass man bei einem Anschlag eine abgerissene Hand findet, die keiner vermisst. Genauso wie es vorkommt, dass man Zeugenaussagen keine Beachtung schenkt, die darauf hindeuten, dass der schwerste terroristische Anschlag in der Bundesrepublik Deutschland nicht von einem Einzeltäter verübt wurde. Aber warum kommt das vor? Es wird doch nicht etwa Absicht hinter dieser Anhäufung an Merkwürdigkeiten stecken?

Am Abend des 26. September 1980 starben am Haupteingang des Münchner Oktoberfestes 13 Menschen, 211 wurden zum Teil schwer verletzt. Hinter diesen nackten Zahlen stehen viele menschliche Schicksale. Die Leben von 13 Menschen wurden vorzeitig beendet, das von Dutzenden maßgeblich beeinträchtigt. Verantwortlich machte die Justiz Gundolf Köhler, einen Anhänger der Wehrsportgruppe Hoffmann – als Einzeltäter. Obwohl es Zweifel gab, blieb die offizielle Version von dem allein handelnden Köhler, der bei dem Attentat selbst ums Leben kam, bestehen.

Doch immer wieder kamen neue Erkenntnisse ans Tageslicht. Im Dezember wurden schließlich die Ermittlungen wieder aufgenommen. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, hat eine damalige Krankenschwester einen Patienten behandelt, dem eine Hand abgerissen worden war. Über die Hintergründe des Verlustes gab er keine Auskünfte. Möglicherweise handelt es sich bei dem Patienten um einen Mittäter.

In den Nebel der vermeintlichen Verschwörungstheorien taucht man ab, wenn man die längst bestätigten Stay-behind-Organisationen der NATO mit dem Attentat in Verbindung bringt. Doch wäre dies wirklich hundertprozentig auszuschließen? Man weiß spätestens seit dem Fall NSU, dass die Geheimdienste eine unangenehme Nähe zu Rechtsradikalen pflegen. Die Summe der Einzelfälle, in denen die Schlapphüte Akten vernichteten oder Hinweise missachteten, ist beeindruckend. Dass die Geheimdienste zudem gefälschte Anschläge inszenieren, ist seit dem Celler Loch keine Überraschung mehr.

Zurück ins Jahr 2015. Auf Ungereimtheiten an der offiziellen Tätertheorie beim Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ weisen ebenfalls zahlreiche Kritiker hin. Wie beim Oktoberfestattentat sollen nach Ansicht der Justiz die Fakten klar sein – und wie praktisch, auch hier sind die beiden mutmaßlichen Täter tot. Das erspart einen unangenehmen Prozess, obwohl man auch diesen gut in die gewünschte Richtung lenken könnte, wie die Verhandlung gegen Beate Tschäpe beweist.

Warum trugen die beiden Attentäter beim Überfall auf „Charlie Hebdo“ Masken, nahmen aber einen Personalausweis mit zu ihrer Tat – den sie auch noch im Fluchtfahrzeug vergaßen? Äußerst merkwürdig. Nicht auszuschließen, dass in einigen Jahrzehnten, wie jetzt beim Oktoberfestattentat, neue Hinweise auftauchen und eine neue Verhandlung angesetzt wird. Allerdings sind bis dahin die neuen Überwachungsgesetze längst Alltag. Frankreich etwa kann gar nicht schnell genug die Gunst der Stunde nutzen, um in den Schubladen herumliegende sinnlose Paragrafen zur Überwachung der Bürger in die Gesetzbücher zu schreiben. Möglicherweise bewegen wir uns in eine Zukunft, in der nicht einmal ein neues Verfahren angesetzt würde. Alle derartigen Überlegungen könnten dank der umfassenden Kenntnisse der Geheimdienste zukünftig bereits im Keim erstickt werden.

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