Arbeitnehmer sind die Verlierer

Zwischen 2000 und 2013 sind die Bruttolöhne je Beschäftigten real gesunken: um 0,7 Prozent. Dabei entwickelten sich die durchschnittlichen Tariflöhne deutlich besser als die durchschnittlichen Bruttolöhne, bei denen alle Arbeitnehmer mit eingerechnet werden. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut WSI in der Hans-Böckler-Stiftung sieht als Gründe hierfür schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Deregulierung in den 2000er-Jahren. Aus den Daten der aktuellen Verteilungsbilanz des WSI-Tarifarchivs schließen die Forscher, dass die Hartz-Reformen den Druck auf die Verdienste verstärkt hätten. Der Niedriglohnsektor sei gewachsen. Doch eine gute Nachricht gibt es zu vermelden: Der Rückstand im Vergleich zum Jahr 2000 wird kleiner – 2010 hatten die realen Bruttolöhne noch um 3,5 Prozent niedriger gelegen.

Deutlich stärker als die Durchschnittslöhne haben sich die Tariflöhne und -gehälter entwickelt. Sie waren 2013 real um 8,2 Prozent höher als im Jahr 2000. In den meisten Jahren dieses Zeitraums beobachteten die Experten des WSI-Tarifarchivs eine negative Lohndrift. Das heißt: Die Bruttoeinkommen, in die unter anderem auch die Löhne der nicht nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer einfließen, blieben hinter den Tarifeinkommen zurück.

Jedoch nahm die Prägekraft des Tarifsystems im gleichen Zeitraum ab, vor allem, weil sich immer mehr Unternehmen der Tarifbindung entzogen. Hinzu kam auch, dass Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten tarifliche Öffnungsklauseln nutzten. Daher schlugen Steigerungen bei den Tariflöhnen nur zum Teil auf die Bruttoverdienste durch. Weitere Ursachen der Lohndrift waren der Abbau übertariflicher Einkommensbestandteile, der wachsende Niedriglohnsektor und die Zunahme von Teilzeit- und Minijobs.

Die WSI-Verteilungsbilanz macht auch deutlich, dass die Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen die Arbeitseinkommen seit der Jahrtausendwende weit hinter sich gelassen haben: Zwischen 2000 und 2013 legten sie nach den neuesten Daten der VGR nominal um rund 62 Prozent zu, trotz eines zwischenzeitlichen Einbruchs in der Wirtschaftskrise 2009. Die nominalen Arbeitnehmerentgelte wuchsen dagegen nur um knapp 28 Prozent. Vorübergehend ist auch hier der Abstand etwas kleiner geworden: Die Löhne machten Boden gut, die Kapitaleinkommen litten unter der Zinsschwäche. 2013 hätten die Gewinn- und Vermögenseinkommen aber wieder stärker zugelegt als die Bruttolöhne, beobachtet WSI-Experte Dr. Reinhard Bispinck: „Das zeigt: Bei der Lohnentwicklung ist noch Spielraum nach oben“, sagt Bispinck. „Es ist vernünftig ihn zu nutzen, denn eine weitere Stärkung der Binnennachfrage brächte Deutschland und Europa mehr wirtschaftliche Stabilität.“

Kommentar hinterlassen zu "Arbeitnehmer sind die Verlierer"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*