Diktatur leicht gemacht

Das Vorgehen von Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei ist ein Musterbeispiel für das Versagen der westlichen Welt in ihrem Anspruch, Demokratie und Menschenrechte zu vertreten. Nach dem (inszenierten?) Putsch hat der Despot vom Bosporus das von ihm geführte Land in eine mustergültige Diktatur verwandelt. Tausende Kritiker wurden verhaftet, merkwürdige Selbstmorde häufen sich, gegen Erdoğan gerichtete Medien werden verboten. Es scheint gar so, als würde der neue Alleinherrscher das Handbuch des modernen Diktators Punkt für Punkt durchgehen.

Und was unternimmt der Westen gegen dieses Unrecht? Praktisch nichts. Außer ein paar mahnenden Worten erregt man sich vor allem über die geplante Einführung der Todesstrafe – die es inoffiziell ja schon längst wieder gibt. Besonders für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist das Verhältnis zu Erdoğan von einer gewissen Einseitigkeit geprägt. Durch das unsägliche Flüchtlingsabkommen, das auf Merkel selbst zurückgeht, hat sie sich auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Die Folgen kann man jetzt in aller Pracht bewundern. Noch halten die meisten Medien ihre schützende Hand über Mutti – aber dies könnte sich schnell ändern, wenn ein Machtverlust abzusehen ist. Sollte sich abzeichnen, dass weder Schwarz-Rot noch Schwarz-Grün eine sichere Mehrheit bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr erreichen können, könnte die Presse die Kanzlerin fallen lassen wie ein heißes Lahmacun.

Vermutlich verlässt sich Merkel wieder einmal darauf, dass ihr der Zufall und die allmächtigen Märkte ihr zu Hilfe eilen. Schließlich hat die Ratingagentur Standard & Poor’s den  Daumen über der Türkei bereits gesenkt. Sollte im Zuge der Machtübernahme durch Erdoğan die Wirtschaft Schaden nehmen, könnte sich die Begeisterung der Bevölkerung für ihren neuen Führer schnell legen. Die Zahl der Urlauber, die ihre freie Zeit in der Türkei verbringen, ist bereits vor dem Putsch deutlich zurückgegangen. Die neuesten Entwicklungen werden sicher nicht dazu beitragen, dass sich dieser Trend umkehrt. Doch bis der wirtschaftliche Niedergang Erdoğan wieder von der Macht vertreibt, kann er ungehindert seinen Feldzug gegen Kritiker und die Kurden weiterführen.

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