Bricht die Weltwirtschaft 2014 ein?

Die angespannte wirtschaftliche Situation in der Europäischen Union haben wir hier bereits angesprochen. Aber nicht nur in der EU läuft die Wirtschaft alles andere als rund. Ein Blick auf die wichtigsten Volkswirtschaften rund um den Globus lässt für 2014 keinen rosigen Ausblick zu. Viele Gefahren lauern auf die Entwicklung der Weltwirtschaft.

Wenden wir unseren Blick zunächst in die Vereinigten Staaten. Über die unrühmliche Rolle, welche die Tea Party bei den Haushaltsstreitigkeiten spielte, haben wir schon berichtet. Die Entwicklung in den vergangenen Tagen lässt ebenfalls nicht darauf schließen, dass die Libertären sich eines Besseren besinnen würden. Vielmehr steht zu befürchten, dass der große Showdown in den USA zwischen den „gemäßigten“ Republikanern und den Vertretern der Tea Party erst noch bevorsteht. Spätestens vor Weihnachten dürfte dieser in die heiße Phase treten, denn dann beginnen die Verhandlungen über eine erneute Anhebung der Schuldenobergrenze der Vereinigten Staaten, die spätestens im Februar notwendig wird. An eine Lösung der Ursache für diese immer weiter wachsende Staatsverschuldung, die zu geringen Steuereinnahmen, ist überhaupt nicht zu denken. Die Wirtschaft in den USA schwächelt auch aufgrund dieser Unsicherheiten weiter, wie etwa die gestern bekanntgegebenen Arbeitslosenzahlen verdeutlichen. Von den Vereinigten Staaten ist zumindest im nächsten Jahr kein großer Wachstumsschub zu erwarten.

Auch die dritte große Wirtschaftsmacht neben den USA und der EU hat mit Problemen zu kämpfen. Chinas Exporte gingen etwa im September zurück – für das vierte Quartal sind die Aussichten ebenfalls durchwachsen. Wie sich die Wirtschaft im nächsten Jahr entwickelt, ist äußerst schwer vorherzusagen. Zum einen möchte sich China von seiner Exportabhängigkeit befreien und den inländischen Konsum stärken. Dieser Umbauprozess wird sicher nicht ohne Folgen für das Wirtschaftswachstum bleiben. Zudem bleibt China dennoch auch weiterhin von der Wirtschaftsentwicklung im Rest der Welt, und hier besonders von den Vereinigten Staaten, abhängig. Erschwerend kommt hinzu, dass China größter Gläubiger von US-Staatsanleihen ist, deren absolute Ausfallsicherheit nach den Querelen um den letzten Haushalt nicht mehr garantiert ist.   

Japan steht vor einem ähnlichen Problem wie die USA. Die Staatsverschuldung liegt dort sogar noch höher als auf der anderen Seite des Pazifiks. Mit einer lockeren Geldpolitik versucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe die seit Jahrzehnten auf der Stelle tretende Wirtschaft anzutreiben. Die „Abenomics“ genannte Maßnahme umfasst zudem eine massive Investition in die Infrastruktur. Über den möglichen Erfolg streiten sich die Experten. Es bleibt abzuwarten, ob das durch die Investitionen und lockere Geldpolitik initiierte Wachstum sich im nächsten Jahr selbst weiter trägt, oder ob sich das Wirtschaftswachstum, wie etwa von der Deutschen Bundesbank befürchtet, als Strohfeuer herausstellt. Über allem schwebt zudem die ungewisse Zukunft der Atomruinen in Fukushima, die immer noch große Gefahren bergen und somit eine Unbekannte für das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr darstellen.

In den vergangenen Jahren leisteten vor allem die Schwellenländer einen großen Beitrag zum Anstieg des Weltwirtschaftswachstums. Brasilien zum Beispiel zählte 2012 mit einem Bruttoinlandsprodukt von umgerechnet 2396 Milliarden US-Dollar zu den wichtigsten Wirtschaftsmächten, noch vor Russland und Indien. In diesem Jahr hat sich das Wachstum allerdings bereits abgeschwächt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen wurde Kapital aus dem Land abgezogen, da die Investoren in anderen Ländern größeren Profit wittern. Zum anderen gründet der Boom der vergangenen Jahre stark auf Rohstoffen, es fehlt eine starke Industrie. Im nächsten Jahr findet in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft statt und zwei Jahre darauf die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Für diese beiden Großereignisse werden Milliarden in Stadien investiert – was den Protest ärmerer und mittlerer Bevölkerungsschichten hervorruft, die sich benachteiligt fühlen. Manche vergleichen die derzeitige Situation in Brasilien mit der von Deutschland in den 60ern, als im Zuge des Wirtschaftswachstums der Protest in der Bevölkerung, besonders unter Studenten, ebenfalls stark zunahm.

Allgemein ist zu erkennen, dass viele Schwellenländer immer noch stark von dem Export von Rohstoffen abhängig sind. Dies gilt insbesondere für Russland, dessen Erdöl und Erdgas nach wie vor für einen großen Teil der Wirtschaftsleistung verantwortlich sind. Aber auch Staaten wie Indonesien sind auf die Nutzung von Rohstoffen angewiesen. Unter diesen Bedingungen ist offensichtlich, dass die Schwellenländer ebenfalls in Schwierigkeiten geraten, wenn die hochentwickelten Industriestaaten mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben.

Ein Ausblick auf die Entwicklung der Weltwirtschaft im kommenden Jahr ist äußerst schwierig, da viele Unwägbarkeiten vorhanden sind. Durch die Globalisierung sind die Volkswirtschaften stark miteinander vernetzt und damit anfällig für Kettenreaktionen. Die Aussichten in den beiden wichtigsten Wirtschaftsregionen, EU und USA, sind bei objektiver Betrachtung negativ. Europa leidet unter der Eurokrise und die Vereinigten Staaten leiden unter der Tea Party. Sollte die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks nicht in Schwung kommen oder sogar stagnieren, wird wohl der Rest der Welt auf wirtschaftliche Talfahrt gehen. Immer mit der drohenden Gefahr, dass eine der beiden Krisen komplett außer Kontrolle gerät – die globale Wirtschaft würde dann in die Schussfahrt übergehen. 

 

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