Déjà-vu in Hessen

Obwohl die FDP ganz knapp – am Ende waren es nicht einmal 1000 Stimmen über der 5-Prozent-Hürde – noch einmal in den Hessischen Landtag einzog, wird es wie 2008 schwierig werden, eine Koalition auf die Beine zu stellen. Denn es reicht weder für CDU und FDP noch für SPD und Grüne. Die Sozialdemokraten schließen bislang ein Bündnis mit der Linken aus. Deshalb bleiben nur noch eine Große Koalition oder Schwarz-Grün übrig. Doch beide Varianten sind in Hessen nicht gerade beliebt.

Lange Zeit sah es am gestrigen Wahlabend so aus, als würden die Liberalen nicht nur aus dem Bundestag ausscheiden, sondern auch aus dem Hessischen Landtag. Doch letztendlich reichte es dann doch noch – wenn auch mit 5,0 Prozent der Stimmen äußerst eng. An der verzwickten politischen Situation in Hessen änderte allerdings auch der Einzug der FDP nichts. So verfügen weder Rot-Grün noch Schwarz-Gelb über die nötige Anzahl an Parlamentssitzen, um eine verlässliche Koalition auf die Beine zu stellen. Die CDU konnte sich leicht auf 38,3 Prozent verbessern. Für die SPD ging es nach dem desaströsen Ergebnis von 2009 wieder um 7 Prozentpunkte nach oben auf 30,7 Prozent.

Die Grünen verloren genau wie im Bund gut 2 Prozentpunkte der Stimmen und kommen jetzt auf 11,1 Prozent. Zünglein an der Waage ist wieder einmal die Linke, die sich im politischen Spektrum Hessens etabliert hat, nachdem sie aus den Landtagen in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen nach einem kurzen Intermezzo herausfiel. Doch die linke Machtoption dürfte auch dieses Mal nicht zum Zuge kommen. Besonders die SPD unter ihrem Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel ziert sich noch vor einer rot-rot-grünen Premiere. Dahinter dürfte sicher auch die Furcht vor einer neuen Kampagne der Medien mit konservativer Ausrichtung stehen. Bereits gestern Abend fragte die Bild: „Macht er jetzt den Gümbilanti“ in Anspielung an den Versuch der damaligen SPD-Spitzenkandidaten Andrea Ypsilanti, eine rot-rot-grüne Landesregierung ins Amt zu heben.

Nach dem guten Abschneiden im Bund konnte die Alternative für Deutschland auch in Hessen aus dem Stand ein Ergebnis von 4,0 Prozent erreichen. Nichts zu holen gab es hingegen auch in Hessen für die Piraten, die sich mit 1,9 Prozent der Stimmen begnügen mussten.

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