Der gute alte „Inflationstrick“

Immer wieder werden die Forderungen nach höheren Steuereinnahmen mit der Begründung abgelehnt, dass diese sich schon auf dem höchsten Stand seit Bestehen der Bundesrepublik befänden. Dabei wird beflissentlich „übersehen“, dass dies automatisch geschieht, da Inflation und Produktivitätssteigerung dafür sorgen, dass jährlich auch ein höheres Einkommen erwirtschaftet wird, aus dem das Steueraufkommen finanziert werden kann. Doch nicht nur bei den Steuern wird dieser „Inflationstrick“ – auch in abgewandelter Form – gerne genutzt.

Auch um zu begründen, dass die Sozialausgaben zu hoch sind und unbedingt zurückgefahren werden müssen, kann man diesen Trick nutzen. Man vergleicht einfach die aktuellen Ausgaben für den Sozialbereich mit den Werten von vor angenommen zehn Jahren. Selbstverständlich ist die Summe aktuell höher, da sich durch die Inflation der Geldwert vermindert hat. Aber wen interessieren schon solche wissenschaftlichen Betrachtungsweisen, wenn man als Redakteur bei einer Tageszeitung titeln kann: „Sozialausgaben außer Kontrolle. Schon wieder gestiegen.“ Oder so ähnlich.

Aber nicht nur mit der Inflation kann man sich Zahlen zurechtbiegen, wie man sie gerne hätte. Dies funktioniert zum Beispiel auch bei der Bildung. So verweist etwa die CDU darauf, dass die Zahl der Bafög-Empfänger einen neuen Höchststand erreicht hat und klopft sich dafür selbst auf die Schulter. Originalton Generalsekretär Dr. Peter Tauber: „Die Verbesserung der Bildungschancen junger Menschen liegt uns am Herzen.“ 671.000 Studenten erhielten im Jahr 2012 Bafög-Leistungen – bei einer Gesamtzahl von knapp 2,5 Millionen ein Anteil von knapp 27 Prozent. Im Vergleich zu 1975, als noch 42 Prozent der Studenten gefördert wurden, ein deutlicher Rückgang. Man blendet jedoch die Bürger, indem man die Anzahl der Empfänger in den Vordergrund stellt und dabei komplett außen vor lässt, dass die Zahl der Studenten sogar noch viel stärker gestiegen ist. So kann das Studium auch weiter eine Veranstaltung vor allem für die Nachkommen aus der oberen Mittel- und der Oberschicht bleiben.

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