Der Schein trügt

Wer die Meldungen über die wirtschaftliche Situation in Deutschland beobachtet könnte vermuten, dass die ökonomischen Kennzahlen in eine positive Richtung zeigen. Hohes Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosigkeit dürften in diesen goldenen Zeiten für Deutschland doch selbstverständlich sein. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Im Jahr 2012 betrug das Wirtschaftswachstum lediglich 0,7 Prozent. Und im vergangenen Jahr sank dieser Wert sogar auf 0,4 Prozent. Zwar rechnen die Glaskugel-Gucker in diesem Jahr mit einem Anziehen der Wirtschaftsleistung, doch viele Unwägbarkeiten könnten dieser Hoffnung einen Strich durch die Rechnung machen: Eskalation in der Ukraine-Krise, Deflationsgefahren in der Eurozone oder eine Ausweitung des Irak-Konflikts – um an dieser Stelle nur einige Brennpunkte zu nennen.

Bei dieser schwachen Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den vergangenen beiden Jahren ist es logisch, dass auch die Arbeitslosigkeit auf der Stelle tritt. Hängt deren Entwicklung doch vor allem vom Wirtschaftswachstum ab. Allen positiven Nachrichten aus Nürnberg zum Trotz ist die Arbeitslosenquote im vergangenen Jahr sogar gestiegen. Die Statistiker der Bundesagentur für Arbeit mussten durchschnittlich 53.000 Arbeitslose mehr vermerken. Die Arbeitslosigkeit ging also 2013 nicht zurück, wie man vermuten könnte, sondern ist sogar gestiegen. Aus den Zahlen der Bundesagentur lässt sich aber noch eine weitere Erkenntnis gewinnen: ein Hauptgrund für die Einführung von Hartz IV hat sich in Luft aufgelöst.

So sollten von der Umwandlung der Arbeitslosenhilfe in die Grundsicherung vor allem Langzeitarbeitslose profitieren. Doch wie sich gezeigt hat, ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen im Jahr 2005, also bei Einführung von Hartz IV, von 36,2 Prozent auf 35,6 Prozent im vergangenen Jahr nur minimal gesunken. 2013 lag der Anteil der Arbeitslosen, die länger als ein Jahr ohne Arbeit waren, also nahezu auf unverändertem Niveau. Ein weiterer Punkt auf der langen Liste an Versprechen, die mit der Einführung von Hartz IV eigentlich umgesetzt werden sollten und dann doch gebrochen wurden. Diese angeführten Zahlen belegen einmal mehr, wie stark sich die von den Medien gezeichnete Lage von der harten, durch Zahlen gedeckte Wirklichkeit unterscheidet.

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