Deutschland in der Stagnation

0,4 und 0,1 Prozent Wirtschaftswachstum in den Jahren 2012 und 2013. Das sind nicht die nackten Zahlen der „Euro-Krisenländer“ Frankreich oder Italien. Nein. Es sind die Werte eines Landes, das sich dafür rühmt, durch Reformen fit gemacht zu haben für die Zukunft. Das durch die Schaffung eines Niedriglohnsektors die Einkommen der Arbeitnehmer gesenkt hat und so seine Nachbarn niederkonkurrieren konnte. Ja, die Rede ist von Deutschland.

Aber nicht nur das Bruttoinlandsprodukt hat sich in den beiden vergangenen Jahren mäßig entwickelt. Das Arbeitsvolumen, also die von allen Erwerbstätigen geleistete Arbeitszeit, ist in den beiden vergangenen Jahren um jeweils 0,3 Prozent gesunken. Auf diesen Umstand weisen Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff* hin. Mit den wohlklingenden Meldungen über Ifo-Index, Konsumlaune, optimistische (und längst revidierte) Prognosen und Eigenlob der Regierenden soll in deren Augen diese Wahrheit verschleiert werden.

Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt sehe alles andere als rosig aus: „Auf die trübe Lage deutete bereits die fast gleich bleibende Zahl der Arbeitslosen (rund 3 Millionen) und der erwerbsfähigen Leistungsbezieher (rund 5 Millionen ‚Arbeitslosengeld-EmpfängerInnen‘ nach SGB II und SGB III) hin. Fakten, denen die Aufschwungseuphoriker wenig Bedeutung zumaßen.“

Deutschland drohe keine Stagnation, sie befinde sich bereits in einer Stagnation. Von 2008, dem letzten Vorkrisenjahr, bis 2013 ist das Bruttoinlandsprodukt nur um gut 2 Prozent gestiegen. Ein äußerst schwacher Wert. Besonders wenn man diesen mit dem Durchschnitt früherer Jahrzehnte vergleicht. In den Siebzigern und Achtzigern etwa wuchs das Bruttoinlandsprodukt jährlich mit über 2 Prozent. Bosbach und Korff fassen zusammen: „Wer die jetzt deutlich schlechter werdenden Werte der angeblich negativen Wirkung ’sozialer Wohltaten‘ zuschreiben will, muss den seit Jahren anhaltenden negativen Wirtschaftsprozess ignorieren.“

* Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff haben das Buch „Lügen mit Zahlen“ veröffentlicht, in dem erklärt wird, wie man mit Statistiken manipulieren kann.

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