Die Angst der Machteliten vor dem Volk

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Mit seinem Vortrag „Warum schweigen die Lämmer“ erregte Rainer Mausfeld, Psychologie-Professor an der Universität Kiel, einiges Aufsehen. In „Die Angst der Machteliten vor dem Volk“ zeigt er auf, dass wir weit von einer echten Demokratie entfernt sind. Die Eliten sind nicht zimperlich in der Wahl der Mittel, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten.

Zunächst stelle sich aber die Frage, wieso die Regierungsform der Demokratie überhaupt so erfolgreich ist. Die meisten Länder der Erde, laut Mausfeld 125, sind Demokratien. Grund dafür sei der Wunsch der Menschen nach Freiheit. Für die Mächtigen hingegen biete die Demokratie keine Vorteile. Aus diesem Grund müssten diese eine Illusion von Demokratie erschaffen.

Abgesehen von einigen archaischen Gesellschaften lasse sich in nahezu allen historischen Gesellschaften die Existenz von Eliten nachweisen. Um die Stellung an der Spitze der Gesellschaft zu erhalten, konnte zu physischer oder psychischer Machtausübung gegriffen werden. Es stellte sich heraus, dass psychische Machtausübung mit geringeren Kosten für die Herrschenden verbunden ist.

Um mit Soft-Power-Techniken herrschen zu können, müsse das Volk davon überzeugt werden, dass Volksherrschaft Elitenherrschaft bedeute. Um diesen Widerspruch zu rechtfertigen, werde eine wissenschaftliche Begründung benötigt. Diese bestätige dem Volk, überhaupt nicht in der Lage zu sein die Herrschaft auszuüben, weil es irrational, infantil und rationalen Argumenten nicht zugänglich sei.

Zwar hätten die Eliten kein Problem damit, das Volk zu belügen – doch einfacher sei es dafür zu sorgen, dass das Volk überhaupt kein Interesse an der Wahrheit mehr habe. Aus diesem Grund würden im Volk Entpolitisierung und politische Lethargie erzeugt. Der politische Philosoph Leo Strauss behauptete, dass diejenigen Bürger, die nichts außer den Sportseiten und dem Comicteil lesen, das Salz der modernen Demokratie seien. Als sehr hilfreich zur Lethargieerzeugung habe sich das Mittel der Propaganda herausgestellt.

Die Bürger würden manipuliert, indem auf affektive und kognitive Bereiche des Geistes gezielt werde. Um die wahren Zentren der Macht zu verschleiern, lenkten die Eliten auf andere Themen ab. Besonders erfolgversprechend sei dabei die systematische Erzeugung von Angst und Hass. Auch Diffamierungsbegriffe wie „Querfront“ würden genutzt, um „kognitive Mentalvergiftung“ im Volk zu betreiben. Der Begriff „Querfront“ solle nicht nur die Kritik von den Zentren der Macht fernhalten, sondern auch eine Selbstzersetzung linker Positionen befördern. Als weitere Begriffe zur Diffamierung führt Mausfeld beispielhaft „Anti-Amerikanismus“, „Verschwörungstheorie“ und „Populismus“ auf.

Mit der Meinungsmanipulation durch die Eliten soll erreicht werden, dass sich keine politischen Überzeugungen im Volk ausbilden. Um allerdings bestimmte Einstellungen, Meinungen und Haltungen in den Köpfen der Bevölkerung verankern zu können, seien zusätzliche Manipulationsformen erforderlich. Mausfeld unterscheidet dabei zwischen Aktualindoktrination und Tiefenindoktrination. Die Aktualindoktrination geschehe über die Nutzung tagesaktueller Nachrichten und ziele darauf, ein den Wünschen der Eliten entsprechendes Weltbild zu erzeugen und zu stabilisieren.

Tiefenindoktrination hingegen soll politische und gesellschaftliche Weltbilder und Wertesysteme vermitteln. Fakten und Kritik könnten diese nicht mehr gefährden, weil die Weltbilder und Wertesysteme als selbstverständlich angesehen würden. Als Beispiele führt Mausfeld die USA als benevolentes Imperium, also ein Imperium, „dessen Handeln von einem selbstlosen Wohlwollen getragen ist“, und das Auftreten bestimmter NGOs an. Obwohl die USA lediglich ihren eigenen Vorteil im Sinn hätten, würden die imperialistischen Motive verschleiert und zu einem moralischen Idealismus verbrämt. Direkt oder indirekt von Machteliten finanzierte NGOs würden einen zunehmend wichtiger werdenden Beitrag bei der Kontrolle der öffentlichen Meinung leisten.

Als besonders erfolgreiches und nahezu unsichtbares Beispiel für Tiefenindoktrination habe sich die Etablierung der Regierungsform „repräsentative Demokratie“ gezeigt. Mit ihr sei es gelungen, eine „besitzende Oligarchie mit der Unterstützung der Masse der Bevölkerung über Wahlen an der Macht zu halten“. Die „repräsentative Demokratie“ diene von Anfang an als Demokratieabwehr. Dabei gäbe es zahlreiche Beispiele für nicht-repräsentative Demokratiekonzeptionen wie Rätedemokratie, partizipatorische Demokratie, deliberative Demokratie und inklusive Demokratie. Doch diese Formen der Demokratie würden von den Eliten aus dem Diskurs ausgeblendet.

Mit dem Neoliberalismus habe das Unsichtbarmachen der tatsächlichen Zentren politischer Macht einen neuen Höhepunkt erreicht. Mausfeld zeigt auf, dass mit dem „freien Markt“ eine rationale Naturgesetzlichkeit entstanden sei. Zudem seien mit Großkonzernen neue politische Akteure entstanden, die sich einer demokratischen Kontrolle entzögen. In seinen Grundzügen habe der Neoliberalismus große Übereinstimmungen mit dem Faschismus, lediglich in einer ideologischen Basis unterscheide er sich davon: Während beim Faschismus der ethnisch reine Volkskörper angestrebt werde, basiere der Neoliberalismus auf dem Mythos des „freien Marktes“.

Mausfeld zeigt sich überzeugt, dass die Eliten kein Interesse an einer Änderung der Situation hegen. Diese müsse ausschließlich vom Volk ausgehen.

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