Die Zukunft des Journalismus

Beeindruckende Zahlen liefert ein Vergleich der Auflagenzahlen deutscher Tageszeitungen mit 2003: Über ein Viertel weniger Exemplare verkauften die deutschen Zeitungsverlage im vergangenen Jahr. Aber der Absturz der Tageszeitungen ist nur das offensichtlichste Symptom des Medienwandels, der in vollem Gange ist. Die Mediennutzung der Bürger, vor allem der jüngeren Bürger, ändert sich grundlegend. Die Bedeutung des Internets wächst immer weiter. Im Gegenzug müssen neben den Tageszeitungen auch Zeitschriften sowie Radio und Fernsehen um das weitere Interesse der Nutzer fürchten. Welche Schlüsse lassen sich aus diesen vorliegenden Daten für die weitere Entwicklung des Journalismus ziehen? In fünf, zehn oder zwanzig Jahren? Obwohl vieles noch offen ist, steht eines fest: Das gewohnte Mediensystem wird es in seiner heutigen Form wohl spätestens im Jahr 2025 nicht mehr geben.

Viele verschiedene Faktoren sind zu beachten, wenn man sich über die Zukunft des Journalismus Gedanken macht. Da wäre zum einen die Trennung zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien. Zum anderen muss zwischen den Angeboten der etablierten Medien und neuen Formen des Journalismus unterscheiden. Diese Formen zeigen sich in unterschiedlichster Ausgestaltung: Ob als einzelner Journalist, der einen Blog betreibt, oder als crowdfinanziertes Kollektiv wie etwa bei den Krautreportern. Abschließend ändern sich auch die Formen der Medienübertragung. Das Internet hat daran entscheidenden Einfluss.

Zwar wird es vermutlich auch in zehn Jahren noch gedruckte Tageszeitungen geben. Wahrscheinlich sogar noch in zwanzig Jahren. Aber die Anzahl der Titel und die Auflage wird weiter abnehmen. Der derzeit schon zu beobachtende Trend der Zeitungs-Monopolisierung großer Teile des Landes wird anhalten. Auch das lineare Fernsehen wird es wohl noch genau so geben wie heutzutage. Doch dies wird wohl nur mehr ein Basisangebot darstellen. Dieses Basisangebot wird den werbefinanzierten und öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie über Anzeigen finanzierte Internetangebote und Kostenlos-Zeitungen umfassen. Wer tiefer gehend informiert werden möchte, wird dafür eine Paywall überwinden müssen. Diese Bezahlschranke kann sich als Pay-TV, Online-Abo oder Kaufzeitung äußern. Es wird also wahrscheinlich zu einer weiteren Spaltung des Medienangebotes kommen: Kostenlos für die breite Masse, gegen Bezahlung für alle anderen Mediennutzer.

Diese Spaltung wird auch auf die Arbeit der Journalisten große Auswirkungen besitzen. Zum einen werden bei den „freien“ Medien die Abläufe weiter verdichtet und die Redaktionen personell noch dünner besetzt werden. Die Verwendung von noch mehr Agentur- und PR-Material dürfte unabdingbare Folge dieser Entwicklung sein. Zum anderen besteht in den „Bezahl-Medien“ die Chance, grundlegende Recherchen und aufwendige Aufbereitung zu ermöglichen. In diesem Bereich dürfte die Zukunft des wahren Journalismus liegen. Ob dieser Journalismus dann im Internet erscheint, oder in einer Wochenzeitung, die wohl ihre Position zumindest weitgehend halten werden können, ist nebensächlich.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Journalismus wohl zwei verschiedene Zukünfte haben wird. Den „Fast-Food-Journalismus“ und den gehobenen Journalismus. Für alle Beschäftigten in ersterer Zukunft bedeutet dies wohl nichts Erfreuliches. Automatisierte Nachrichtenerstellung, weitgehender Einsatz von Fremdmaterial und Boulevardisierung dürften keine erstrebenswerte Umgebung für einen Journalisten mit Anspruch darstellen. Für die glücklichen Vertreter der Zunft, die es in die 1. Klasse des Journalismus geschafft haben, eröffnet sich jedoch ein schier unendliches Feld an Möglichkeiten. Sowohl für Neu- und Quereinsteiger als auch etablierte Journalisten. Aus diesem Grund sollte uns auch nicht bange sein um die Zukunft des Journalismus. Wenn diese goldene Zeit sich wohl auch nur für einen Teil der Medienschaffenden auftun wird.

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