Droht der globale Super-GAU?

Heute hat im Atomkraftwerk Fukushima in Reaktor 4 die Bergung von über 1000 Brennelementen begonnen. Dies gilt als weiterer wichtiger Schritt, um das havarierte Kraftwerk sicherer zu machen. Nach Ansicht der meisten Medien und vieler Experten geht von der Bergungsaktion keine Gefahr für die Bevölkerung aus. Doch es gibt auch zahlreiche mahnende Stimmen. Diese sehen sogar die gesamte Menschheit vor der größten Katastrophe ihrer Geschichte, in ihren Augen schlummert im Abklingbecken millionenfacher Tod. Handelt es sich dabei um Hirngespinste oder schweben wir wirklich in größerer Gefahr, als den meisten von uns bewusst ist?

Diskutiert wird unter den Experten vor allem um die Reststrahlung der Brennelemente im Abklingbecken. Dort lagern 1331 abgebrannte sowie 202 unbenutzte Brennelemente. Während ein Großteil der Wissenschaftler davon überzeugt ist, dass sich diese in der Zeit seit der Nuklearkatastrophe im März 2011 weit genug abgekühlt haben, sind andere nicht dieser Ansicht. Unter ihnen auch der Physiker Sebastian Pflugbeil. In einem Interview mit der „jungen Welt“ malte er ein wahres Schreckensszenario an die Wand:

„Die ganze Nordhalbkugel der Erde könnte verstrahlt werden. Daß das alles kein Spaß ist, wissen auch die japanischen Behörden: Sie haben Pläne für die Evakuierung Tokios. Wie das gehen soll, weiß ich nicht – dort halten sich tagsüber etwa 30 Millionen Menschen auf.“

Pflugbeils Befürchtung: Niemand wisse, in welchem Zustand diese Brennelemente sind; das Risiko ist sehr groß, daß eines von ihnen beim Herausziehen in Brand gerate. Doch dem Gelingen der Bergungsaktion droht auch noch von anderer Seite Gefahr. Der ehemalige japanische Botschafter in der Schweiz, Mitsuhei Murata, fürchtet dramatische Schäden bei einem weiteren Erdbeben, dem die Ruine nicht standhält.

Trotz dieser Warnungen sprechen die meisten Experten von Hysterie und Übertreibung. Zu gerne möchte man ihnen Glauben schenken. Denn alleine die Vorstellung, durch einen Fehler bei der Bergung könnte ein Brennstab in Brand geraten und damit durch die freiwerdende Strahlung ein Aufenthalt von Arbeitern in Reaktor 4 unmöglich werden, lässt ein ungutes Gefühl aufkommen. In der Folge könnten weitere auf dem Gelände des Atomkraftwerkes gelagerte Brennelemente ihre radioaktive Strahlung in großem Maße freigeben. Die Folgen sind nicht einmal für die Experten abzuschätzen.

Man könnte an dieser Stelle einen Strich ziehen, und die Äußerungen von Pflugpfeil, Murata und anderen als Wichtigtuerei abtun. Aber eines stört dann doch die Idylle, dass keine Gefahr besteht. Schon zu oft hat die Atomindustrie bewiesen, dass sie immer nur zugibt, was bereits bekannt ist. So war es auch mit den drei Kernschmelzen in Fukushima, die zunächst geleugnet wurden. Es mag sein, dass die Gefahr eines Unfalls bei der Bergung der Brennelemente im Abklingbecken sehr gering ist. Aber selbst über diese geringe Gefahr sollte aufgeklärt werden. Sollten die Verantwortlichen zu dem Entschluss gekommen sein, die Bevölkerung nicht in Panik versetzen zu wollen, hätten sie ihre Kompetenzen überschritten. Es wäre Zensur in seiner reinsten Form. Damit wäre nur den Mächtigen überlassen, welche Informationen der Bevölkerung zugemutet werden können. Ein Vorgehen, dass niemals die Zustimmung der Bürger finden sollte. Auch nicht, wenn der Preis eine Überreaktion auf die Gefahr im Atomkraftwerk Fukushima sein sollte.

Hinweis: Die ursprüngliche Version dieses Textes enthielt an mehreren Stellen die Formulierung „Brennstäbe“ statt „Brennelemente“. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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