Eigennutz vor Allgemeinwohl

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„Lügenpresse, Lügenpresse“, so schallt es von ganz rechts in Richtung der Medien. Doch den Verlagen kommt diese Verunglimpfung durchaus gelegen, kann so die Kritik als das Werk von Rechtspopulisten und Rechtsextremen abgekanzelt werden. Es wird so überdeckt, dass in der deutschen Presse vieles falsch läuft beim Versuch, dem eigenen Anspruch von der Vierten Gewalt gerecht zu werden. So zum Beispiel, dass die Digitalisierung nur als Vorwand genutzt wurde, um Stellen abzubauen und Druck gegenüber den Mitarbeitern aufzubauen.

Die Medien sind in den vergangenen Jahrzehnten kräftig unter die Räder gekommen, vor allem was Tageszeitungen und Zeitschriften betrifft. An dieser Stelle nur ein paar dramatische Zahlen, die einen Eindruck vom Einbruch der Auflagezahlen vermitteln: Die Bild-Zeitung stürzte zwischen 2010 und 2016 von über 3 Millionen verkaufter Auflage auf unter 2 Millionen. Die gesamte Auflage der Tageszeitungen ging in diesem Zeitraum von fast 23 Millionen auf unter 18 Millionen zurück, während deren Werbeeinnahmen zwischen 2010 und 2015 von 3637 Millionen auf 2651 Millionen Euro schrumpften. Doch trotz dieser immensen Rückgänge sind Pressekonzerne immer noch hochprofitabel. Dies haben sie zum einen durch einen gewaltigen Stellenabbau und Gehaltssenkungen und zum anderen durch Diversifizierung geschafft.

Die Bandbreite der Unternehmensbereiche, in die abseits des Journalismusgeschäfts investiert wurde, ist dabei sehr groß. Sie reicht von Callcentern über Internetportale wie Lieferando und Zalando bis hin zu Wettspielen. Da verwundert es auch nicht, dass beim Springer-Konzern nur noch etwa 20 Prozent der Beschäftigten Redakteure sind. Diese Ausdehnung der Produktpalette bietet zudem einen entscheidenden Vorteil gegenüber Mitbewerbern auf diesen Märkten: Während in den Konzern-Medien über eigene Produkte und Dienstleistungen positiv berichtet werden kann, können Journalisten des Verlags neben journalistischen Artikeln auch noch kostengünstig PR-Texte anfertigen und großzügige Rabatte bei Anzeigen gewährt werden.

Ebenfalls kritisch zu betrachten ist eine immer weiter fortschreitende Konzentration in der Medienbranche. So hatten 2016 die 5 größten Verlagsgruppen bei den Kauftageszeitungen einen Marktanteil von 99,5 Prozent. Bei allen Tageszeitungen vereinen die zehn größten Verlagsgruppen fast 60 Prozent des Marktanteils auf sich. Doch der tatsächliche Einfluss der „Platzhirsche“ ist noch viel größer als dies durch diese Zahl ausgedrückt wird. Schließlich orientieren sich viele der kleineren Tageszeitungsverlage an der Berichterstattung der Großen in der Branche.

Die Redakteure in den Verlagen sind aufgrund des Tendenzschutzgesetzes verpflichtet, im Interesse ihres Arbeitgebers zu berichten. So gelingt es, letzte Reste von kritischer Berichterstattung über den neoliberalen Kurs zu unterdrücken. Einzelne positive Artikel dienen letztlich nur als Alibi, um den Mythos von der kritischen Berichterstattung weiterhin aufrechterhalten zu können. Für Journalisten dürfte es hingegen schwer werden, Kritik am Mediensystem öffentlichkeitswirksam vorzubringen. Und so wird die Presse auch in den kommenden Jahren die Mär von „Deutschland geht es gut“ und die Geschichte „Angela Merkel, die gute Kanzlerin“ unters Wahlvolk bringen, während die Verlagsbesitzer vom niedrigen Mindestlohn für die Mitarbeiter in den eigenen Callcentern und Versandlagern profitieren.

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