Ein Dokument des Scheiterns

 

Auf 432 Seiten präsentiert der Datenreport 2013 die wichtigsten statistischen Daten über die Bundesrepublik Deutschland. Besonderes Interesse sollte man dabei auf Kapitel 6 „Private Haushalte, Einkommen, Ausgaben, Ausstattung“ richten. Denn dort wird in klaren Zahlen widerlegt, was die schwarz-gelbe Bundesregierung immer wieder behauptete: „Deutschland geht es gut“. Es mag vielen Menschen in Deutschland gut gehen, aber dies wird auf dem Rücken derjenigen aufgebaut, die Leidtragende der sozialen Schieflage sind.

Wer über eine tarifgebundene Vollzeitbeschäftigung verfügt, kann sich glücklich schätzen. Wenn er oder sie nicht in einer Niedriglohn-Branche wie der Gastronomie oder dem Friseurhandwerk arbeiten muss, kann er sich in den meisten Fällen über ein annehmbares Einkommen freuen. Doch der Anteil der Menschen, die sich in atypischer Beschäftigung befinden, ist seit der Wiedervereinigung stark angestiegen und verharrt seit einigen Jahren auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der atypisch Beschäftigten an den Kernerwerbstätigen bei 21,7 Prozent.

2012 waren 41,5 Millionen Bürger erwerbstätig. Ein Rekord in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch dies heißt noch lange nicht, dass alle Erwerbstätigen von diesem „Jobwunder“ profitieren. Betrachtet man die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden stellt man fest, dass diese in den letzten Jahren nur leicht angestiegen ist. Im Vergleich zu 1990 ist sie sogar um etwa 10 Prozent gesunken. Eine Folge der Zunahme an Teilzeitarbeit und Minijobs.

15,8 Prozent der Deutschen waren im Jahr 2010 armutsgefährdet, erhielten also ein Nettoäquivalenzeinkommen von weniger als 60 Prozent des mittleren Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung. Und neuere Zahlen belegen, dass dieser Wert 2011 sogar auf 16,1 Prozent gestiegen ist. Fast jeder sechste Deutsche ist von Armut gefährdet, was bei einem Alleinstehenden einem monatlichen Einkommen von 980 Euro entspricht. Diese Zahlen widerlegen eindrücklich die Erfolgsmeldungen der im September abgewählten schwarz-gelben Bundesregierung. Die Lage verschlechtert hat sich nach Aussage der Statistiker vor allem für 55- bis 64-Jährige. Dort liegt der Anteil bei 20,5 Prozent. Zudem verfestige sich die Armut. Von den gefährdeten Personen seien 40 Prozent bereits in den vergangenen fünf Jahren arm gewesen. Zur Jahrtausendwende lag dieser Anteil noch bei 27 Prozent.

Auswirkungen zeigen diese Ungleichgewichte auch auf die Lebenserwartung:

„Die mittlere Lebenserwartung bei Geburt von Männern der niedrigen Einkommensgruppe liegt fast elf Jahre unter der von Männern der hohen Einkommensgruppe. Bei Frauen beträgt die Differenz rund acht Jahre. Auffallend ist dabei, dass sich auch zwischen den mittleren Einkommensgruppen Unterschiede zeigen, sodass von einer graduellen Abstufung der Lebenserwartung ausgegangen werden kann.“

Mit der Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen sank in der Folge auch die Zahl der Arbeitslosen. 2012 waren durchschnittlich 2,897 Millionen Menschen als arbeitslos registriert. Das gesamtwirtschaftliche Angebot auf dem ersten Arbeitsmarkt betrug jedoch nach einer Betriebsbefragung durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nur 970.100 Stellen. Damit kamen rechnerisch auf eine offene Stelle drei Arbeitslose. Wobei die Zahl der offiziell arbeitslos Gemeldeten immer wieder angezweifelt wird. Die Linke geht davon aus, dass aktuell über 3,6 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos sind.

Doch selbst wer über Arbeit verfügt, muss nicht auf der finanziellen Sonnenseite des Lebens stehen. Knapp 21 Prozent der Arbeitnehmer erhielten 2010 einen Stundenlohn von weniger als 10,36 Euro brutto, und damit einen Niedriglohn, dessen Grenzwert bei zwei Dritteln des Medianverdienstes liegt. Besonders betroffen dabei waren Frauen mit einem Anteil von 26,5 Prozent. Ebenfalls höher als im Durchschnitt lag der Wert für 25- bis 34-jährige Beschäftigte mit 22,7 Prozent und Beschäftigte in den neuen Bundesländern mit 36,8 Prozent. Der höchste Anteil ergibt sich allerdings für die Beschäftigten ohne Berufsausbildung. Von diesen erhält mehr als jeder Zweite einen Niedriglohn – 52,8 Prozent.

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