Eingefrorener Konflikt

Es könnte ein frostiger Winter werden in der Ostukraine. Nicht nur aufgrund der Temperaturen, die bereits jetzt ins Minus gerutscht sind, sondern auch aufgrund der weiterhin verzweifelten Lage der dortigen Zivilbevölkerung, die von Tausenden Terroristen daran gehindert wird, dem freudigen Leben in einer geeinten Ukraine entgegen zu sehen. Rund um Donezk wird weiterhin gekämpft und gestorben – und es sieht nicht danach aus, als sollte sich so schnell etwas daran ändern.

Der ukrainische Bürgerkrieg könnte sich zu einem eingefrorenen Konflikt entwickeln, ähnlich wie in Syrien, wo bereits seit Jahren Krieg herrscht. Die Lage in der Ukraine, und damit in unmittelbarer Nachbarschaft der Europäischen Union, wird mit jedem Tag komplizierter. Da wären auf der einen Seite die Separatisten aus den beiden Oblasten Donezk und Luhansk, die wohl auch die Unterstützung durch die Mehrzahl der Bewohner genießen – trotz immer wieder anders lautender Berichte in westlichen Medien. Unzweifelhaft erfahren diese Hilfe von russischer Seite. Wie stark diese im Endeffekt ist, wird sich wohl nie ganz klären lassen. Aber ob es nun 300 moderne russische Panzer oder nur einige Tausend russische „Freiwillige“ sind, die auf Seiten der Separatisten kämpfen, mag militärisch von Bedeutung sein, aber nicht für die weitere politische Entwicklung.

Auf der anderen Seite steht die ukrainische Regierung, die derzeit große Zustimmung im Zentrum und dem Westen des Landes erfährt. Zum einen beeinflusst von rechtsextremen Kräften, die mit Dauer des Konfliktes zunehmend stärker werden, kann aber zum anderen nicht verleugnet werden, dass ein weiterer Spieler den größten Einfluss ausübt: die USA mit Unterstützung der EU. Die Ukraine ist spätestens seit dem Andauern des Bürgerkriegs pleite und hängt am finanziellen Tropf des Westens. Noch kann niemand sagen, wie hoch die Rechnung wird, die von der ukrainischen Regierung für die Ausrichtung nach Westen ausgestellt wird. Für dieses Jahr rechnen die Experten mit einem Einbruch der Wirtschaft um 10 Prozent. Im nächsten Jahr soll es um etwa 8 Prozent nach unten gehen, zumindest wenn der Bürgerkrieg weiter anhält, wofür viele Anzeichen sprechen.

Als würde die Zivilbevölkerung nicht schon genug Leid ertragen müssen, spielen auch noch zwei andere Parteien eine große Rolle: Rinat Achmetow und Igor Kolomojskyj. Diese beiden milliardenschweren Oligarchen gingen neben ein paar anderen aus den wilden ersten Jahren der ukrainischen Unabhängigkeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Sieger aus dem rücksichtslosen Ringen um Macht und Geld hervor. Schon seit Jahren bekämpfen sich beide um die Vormachtstellung – verschärft seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs. Derzeit scheint Kolomojskyj die Oberhand zu gewinnen. Der Oligarch aus Dnipropetrowsk verdient sein Geld vorwiegend mit Erdöl und gilt als prowestlich sowie Putin-Gegner, den er schon einmal als „kleinen Schizophrenen“ bezeichnete. Gute Voraussetzungen, um von westlichen Regierungen hofiert zu werden. In Russland wurde jedoch ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Achmetow hingegen verdankt seinen Reichtum Kohle und Strom. Doch seine Bergwerke liegen mitten im Bürgerkriegsgebiet. Da er sich bisher nicht eindeutig für eine Seite entschieden hat, dürfte er über kurz oder lang im Westen in Ungnade fallen. Durch sein Lavieren könnte er aber auch die Gunst Russlands verlieren und somit bald zwischen zwei Stühlen sitzen.

Zwischen all diesen verschiedenen Interessen und Konfliktlinien befindet sich das ukrainische Volk auf verlorenem Posten, besonders im Osten. Wenn sich die Situation dort in den nächsten Monaten nicht verbessern sollte, droht eine humanitäre Katastrophe. Viele Bürger haben das Gebiet bereits verlassen – viele von ihnen Richtung Russland. Der dauernde Beschuss von Wohngebieten durch ukrainische Truppen könnte also zwei Gründe haben, die gerne hinter dem Anti-Terrorkampf verschleiert werden: Möglichst viele Menschen zu vertreiben, um erstens diesen Landstrich zu entvölkern und zweitens die russische Wirtschaft durch die Flüchtlinge zu schwächen. Es steht sogar zu befürchten, dass in einem nächsten Schritt gezielt russisch-sprachige Ukrainer ihrem Schicksal überlassen werden – ein Genozid durch unterlassene Hilfeleistung. Vielleicht ist deshalb auch die Aufregung über die russischen Hilfskonvois so groß. Diese unterminieren möglicherweise diesen perfiden Plan. Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, würde sich die Europäische Union und damit auch Deutschland mitschuldig machen an tausendfachem Mord. Durch die finanzielle Abhängigkeit der Ukraine auch bezahlt vom deutschen Steuerzahler.

Kommentar hinterlassen zu "Eingefrorener Konflikt"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*