Enttäuschte Erwartungen

Seit Monaten verspricht der GfK-Konsumklimaindex einen starken Konsumanstieg in Deutschland. Aufgrund gesicherter Beschäftigung und steigender Löhne sollen die Bundesbürger angeblich in einen wahren Kaufrausch verfallen. Wenn dann die tatsächlichen Umsatzzahlen veröffentlicht werden, erfolgt stets die Ernüchterung. Doch diese realen Zahlen werden von den meisten Medien dann nicht annähernd so sichtbar präsentiert wie die positiven Prognosen. Das gleiche Spiel wiederholte sich jetzt wieder im Weihnachtsgeschäft. Der GfK-Konsumklimaindex war 2013 immer weiter gestiegen und verhieß somit klingelnde Kassen im Dezember. Doch wie so oft wurde diese Hoffnung schwer enttäuscht.

Nicht nur, dass kein starkes Wachstum zu verzeichnen war, wie man nach den zahlreichen Jubelmeldungen hätte erwarten können. Es war überhaupt kein reales Wachstum messbar. Nicht einmal ein nominales Wachstum war zu verzeichnen – der Umsatz im Dezember 2013 fiel gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent, kalender- und saisonbereinigt sogar um 2,4 Prozent. Eine dermaßen offensichtliche Diskrepanz zwischen Prognose und Wirklichkeit verlangt natürlich nach sinnvollen Erklärungen. Doch es scheint keine zu geben. Die ARD zumindest versuchte den Umsatzrückgang mit dem größeren Anteil des Internethandels am Umsatz zu erklären – obwohl dieser ebenfalls zum Einzelhandel gezählt wird und damit als Grund ausscheidet. Zudem sollen die gestiegenen Strompreise für das Minus beim Einzelhandelsumsatz mitverantwortlich sein.

Diese Erklärungen gehen jedoch am tatsächlichen Grund für die schwache Einzelhandelsumsätze vorbei. Wie obige Grafik verdeutlicht, ist beim Einzelhandelsumsatz seit 2006 real sogar ein kleiner Rückgang zu beobachten. Der Blick auf das Gesamtjahr 2013 lässt ebenfalls keine Freudensprünge zu: Nominal stieg der Einzelhandelsumsatz zwar um 1,4 Prozent, real hingegen blieben magere 0,1 Prozent Plus. Und auch in den Vorjahren sah es beim Einzelhandelsumsatz düster aus: 2010 noch ein Anstieg um real 1,5 Prozent, 2011 noch 1,1 Prozent, 2012 jedoch bereits nur noch 0,1 Prozent, genau wie im vergangenen Jahr. Damit verharrt der reale Einzelhandelsumsatz seit zwei Jahren nahezu auf der gleichen Höhe – von einem Konsumrausch also weit und breit nichts zu sehen. Grund für dieses Treten auf der Stelle sind die niedrigen Löhne in Deutschland. Durch die Agenda 2010 wurde ein breiter Niedriglohnsektor ausgebaut, der auch Auswirkungen auf die darüber liegenden Löhne hat. Nur ein Anstieg der Löhne in den kommenden Jahren um mindestens fünf Prozent jährlich könnte diesen Teufelskreis durchbrechen und den Einzelhandelsumsatz wiederbeleben und zu einem wichtigen Faktor für ein stärkeres Wirtschaftswachstum machen. So allerdings gibt es bereits erste Befürchtungen, die positiven wirtschaftlichen Aussichten auf 2014 könnten überzogen sein und es drohe ein weiteres Jahr der Stagnation.

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