Fakten, Fakten, postfaktisch?

postfaktisch

„Postfaktisch“. So lautet das neueste „Argument“ der Leitmedien, ihren schwindenden Zugriff auf die Meinung im Volk zu erklären. Es würden bei vielen Wählern nur noch Emotionen statt Fakten bei politischen Entscheidungen zählen. So werden Abstimmungsergebnisse wie der Brexit oder die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten erklärt. Dabei nutzte die Politik die „Wahrheit“ stets nur in homöopathischen Dosen und setzte stattdessen auf Gefühle und „Persönlichkeiten“. Verquickt mit den Verlautbarungen der Leithammel der führenden Medien entstand so eine Melange der Desinformation – im Gegenzug eine Win-win-Situation für Politik und Presse. Während die einen Zugang zu Informationen erhielten, sonnten sich die anderen im Glanze der positiven Berichterstattung. Doch dieses Bündnis bekommt Risse. Nicht von innen, diese Adhäsionskräfte werden in letzter Zeit sogar noch stärker, sondern von außen durch einen bösen Feind namens Internet.

Dort wagen doch tatsächlich Zeitgenossen, Zweifel an der offiziellen Berichterstattung zu hegen. Viel schlimmer noch: Sie wagen es sogar, diese Zweifel über die verschiedensten Kanäle in die Öffentlichkeit zu bringen. Die absolute Unverschämtheit ist jedoch, dass viele Bürger diesen Zweifeln auch noch aufgeschlossen gegenüberstehen – wo es Deutschland doch so gut geht. Ein besonders anschauliches Beispiel für die Manipulation durch die Mainstreammedien lässt sich in der medialen Darstellung des syrischen Bürgerkriegs erkennen. Während dort das syrische REGIME unterstützt von iranischen Kämpfern und russischen Kampfflugzeugen die Bevölkerung von Ost-Aleppo auslöscht und bereits zum x-ten Mal das letzte Krankenhaus zerstört hat, regnen bei der Befreiung von Mossul Blumen vom Himmel. Auch die „White Helmets“ werden nach wie vor als Hilfsorganisation dargestellt, obwohl belegt ist, dass diese die islamistischen Terroristen in Syrien unterstützen und bereits mehrfach der Lüge überführt wurden. Die Einseitigkeit, mit der die deutschen Medien über die Vorgänge in Syrien berichten, übertrifft sogar noch das Ausmaß beim Bürgerkrieg in der Ukraine.

Ähnliches gilt im Inland für die derzeit geführte Rentendebatte. Nach wie vor wird von den meisten Medien und Politikern behauptet, ohne private Vorsorge wäre das Rentensystem nicht überlebensfähig. Diese Lüge, so drastisch muss man es in diesem Fall formulieren, ist längst widerlegt und wird nur weiter aufrecht erhalten, weil die Versicherungsbranche Millionen in die Werbung und die Parteien steckt, von denen die Verlagshäuser sowie Union, SPD und Co. längst abhängig sind. Sollte die Politik zur gesetzlichen Rente als alleinige Stütze der Alterssicherung zurückkehren, würde dies sowohl die Versicherungsunternehmen als auch die Verlage hart treffen. Aus diesem Grund marschiert man weiter vereint im Feldzug für die privat finanzierte Rente – gegen jede Vernunft, man könnte fast sagen postfaktisch.

Doch die Auslassungen und Unwahrheiten stoßen bei ihren Rezipienten immer öfter auf taube Ohren und blinde Augen – oder besser gesagt auf wache Ohren und Augen, denn die Manipulationsabsicht wird immer mehr Menschen klar. Die Mainstream-Medien können diese Entwicklung nur noch stoppen, wenn sie beginnen, ihre Einseitigkeit aufzugeben – oder ihnen Politiker zur Seite stehen und, unter dem Vorwand Hatespeech und „Feind-Propaganda“ verhindern zu wollen, Zensur ausüben. Genau diese Entwicklung kann man derzeit beobachten. Jeder widerliche Nazi-Kommentar auf Facebook ist ein Kommentar zu viel, aber er berechtigt nicht dazu, Meinungsäußerungen zu zensieren. Dafür ist die Justiz zuständig, die in einem rechtsstaatlichen Verfahren prüft, ob mit einem solchen Kommentar gegen ein Gesetz verstoßen wurde. Auch wenn dies vielen Menschen schwer fallen dürfte, zugegeben auch mir selbst, aber so muss man in einer freien Gesellschaft damit leben, dass grenzwertige Aussagen oftmals keine rechtlichen Folgen nach sich ziehen. Mit dieser Belastung muss „die Freiheit“ klar kommen – sonst gibt man aus Angst vor der Niederlage den Kampf schon vorher verloren. Ähnlich stellt sich das Bild bei der angeblichen russischen Propaganda dar. Diese müsse verhindert oder zumindest mit Gegenpropaganda beantwortet werden, um Wähler vor falschen Informationen zu schützen. Als ob die Berichterstattung über Russland in den vergangenen Jahren auch nur annähernd an Fakten orientiert gewesen wäre.

Die Behauptung, Wähler würden ohne Kenntnis von Fakten Wahlentscheidungen treffen, mag in gewissem Maße zutreffen. Doch dies stellt keine neue Entwicklung dar. Politiker und Medien haben diese Faktenlosigkeit zum eigenen Nutzen jahrzehntelang gefördert. Sicher könnte man das veränderte Wahlverhalten darauf zurückführen, dass „Rechtspopulisten“ auf diesen Zug aufgesprungen sind und zu ihrem Vorteil nutzen. Aber noch wahrscheinlicher dürfte sein, dass immer mehr Menschen den vorgesetzten Fakten aus den Medien einfach nicht mehr vertrauen und diese in Frage stellen. Jetzt, da die Faktenlosigkeit etablierter Politik und Presse schadet, wird diese gegeißelt. Doch wohin soll die Reise gehen? Hin zu mehr Fakten? Das kann sicher nicht im Interesse von Politikern und Medien sein, denn dann müssten sie die Fehler der Vergangenheit eingestehen. Es ist eher anzunehmen, dass eine „Vorauswahl“ der verbreiteten Informationen stattfinden soll, um Fakten, die selbstverständlich von den Mainstream-Medien stammen, von Postfaktischem, also allem anderen, zu trennen und nur noch Veröffentlichungen von den „Qualitätsmedien“ zu gestatten.

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