Gewollte Schieflage

6.300 Milliarden Euro. Eine wahrhaft gewaltige Summe. So viel besitzen die deutschen Privathaushalte nach Abzug ihrer Verbindlichkeiten. Durchschnittlich verfügt ein Deutscher somit über ein Nettovermögen von etwa 83.000 Euro. So zumindest die Theorie nach einer Schätzung des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V.) in Berlin. Doch der schöne Schein trügt. Denn das Vermögen ist ungleich verteilt. Sehr ungleich, wie folgende Grafik zeigt:

Knapp 8 Prozent der Bevölkerung haben Schulden – das ärmste Prozent der Bevölkerung sogar über 24.000 Euro. Weitere 20 Prozent verfügen über kein Vermögen. Das bedeutet, dass 28 Prozent der Deutschen keinen Anteil am immensen Privatvermögen haben. Auch anschließend steigen die Vermögenswerte nur langsam an. Der Median, also der Punkt, an dem die eine Hälfte mehr und die andere Hälfte weniger besitzt, liegt bei etwa 17.000 Euro. Nach großem Reichtum für die breite Bevölkerung klingt das nicht gerade. Etwas besser sieht es schon für das obere Viertel aus. Dort findet man sich wieder, wenn man mindestens 100.000 Euro sein eigen nennt. Richtig interessant wird es jedoch erst, wenn man sich dem obersten Zehntel der Vermögenden zuwendet. Dort muss man schon mehr als 200.000 Euro vorweisen können. Um zu den reichsten fünf Prozent zu zählen, steigt das benötigte Vermögen bereits auf über 300.000 Euro. Und das reichste Prozent setzt sich nahezu nur aus Millionären zusammen: Mehr als 800.000 Euro Vermögen muss man besitzen, um zu diesem elitären Club gerechnet zu werden.

Doch erst darüber wird es richtig exklusiv. Was das DIW nicht mehr verrät, ist die Verteilung des Vermögens innerhalb der „Wir-sind-nicht-die-99-Prozent“-Kategorie. Es gibt nur wenige Zahlen über diesen elitären Kreis der Multimillionäre. Für das Jahr 2007 geht man davon aus, dass die reichsten 0,1 Prozent (weniger als 70000 Personen) fast ein Viertel des Nettovermögens besaßen. Der Bericht des DIW für die Werte von 2012 ergab zudem, dass die Vermögensverteilung in Deutschland die ungleichste in der gesamten Eurozone ist. Wenn Sie also das nächste Mal davon lesen oder hören, dass die Vermögen in Deutschland weiter gewachsen sind, können Sie sich denken, bei wem diese Vermögen gewachsen sein mögen.

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