Gibt es noch Hoffnung?

In meinem Buch „Affentheater, letzter Vorhang“ nannte ich vor knapp vier Jahren diese Herausforderungen als entscheidend für die weitere Entwicklung der Menschheit: Übernutzung der Erde, Klimawandel und Kapitalismuskrise. Zeit, um ein Zwischenfazit zu ziehen und zu prüfen, ob wir Menschen inzwischen auf dem richtigen Weg sind oder weiter auf dem falschen Pfad voranschreiten. Leider fällt das Fazit insgesamt durchwachsen bis negativ aus – allerdings lassen einige positive Punkte noch nicht alles als verloren erscheinen. Betrachten wir die Entwicklungen im Folgenden näher.

Blicken wir zunächst auf die Ausbeutung unseres Planeten: Hier gibt es wenig Erfreuliches zu berichten. Im vergangenen Jahr wurden die Ressourcen von 1,6 Erden verbraucht. Und wenn die Entwicklung so weiter geht wie bisher, werden es im Jahr 2050 schon die Ressourcen von 3 Erden sein (vorausgesetzt, die Erde hat uns bis dahin nicht schon auf ein für sie gesundes Maß eingeschrumpft). Zwar gibt es Fortschritte beim Ressourcenverbrauch durch neue Technologien und effizientere Methoden, aber der Anstieg des Lebensstandards und der Weltbevölkerung gleicht diese mehr als aus. Auch der Verbrauch von Erdöl steigt noch immer an. Allerdings sinkt im Gegensatz dazu der Einsatz von Kohle. Dies hat dazu geführt, dass seit drei Jahren der Kohlendioxid-Ausstoß nahezu konstant bleibt.

Für das Klima der Zukunft bedeutet das zwar noch lange nicht Entwarnung, aber es ist zumindest ein erster Schritt. Besonders der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Rückgang beim Kohleverbrauch in China lassen hoffen. Allerdings darf auch nicht übersehen werden, dass der (vermeintliche) Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen und das vermutliche Scheitern Deutschlands an den selbst gesteckten Zielen zwei Gründe dafür darstellen, dass die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre immer noch stark ansteigt. In Deutschland hat besonders der Individualverkehr großen Anteil daran – schließlich gilt nach wie vor: „Die Deutschen dürfen nicht zu einem Volk von Kleinwagenfahrern degradiert werden.“

Wie sieht es bei der dritten Herausforderung, der Kapitalismuskrise, aus? Die USA sind weiter auf ihrem selbst- und fremdzerstörerischen Kurs im Glauben an die eigene Einzigartigkeit. Um diese gegenüber Russland und vor allem China zu behaupten, ist der Dollar in seiner Funktion als Weltleitwährung weiterhin eine mächtige ökonomische Waffe. Wo diese herausgehobene Stellung des Greenback angegriffen wird, fallen anschließend bald die Bomben, wie dies im Irak und Libyen der Fall war. Aber es reicht auch schon, wenn sich ein Staat von den USA distanzieren möchte. Kaum hatte sich der philippinische Präsident Duterte eine Annäherung an China auf die Fahnen geschrieben, griffen Islamisten die Großstadt Marawi an. Welch ein merkwürdiger Zufall. In Europa ist immer noch kein Ende der Eurokrise in Sicht. Zusätzlich belastet die hohe Anzahl an Flüchtlingen die Beziehungen zwischen den EU-Staaten. Deutschland verteidigt weiter seine Vorteile bei den Lohnstückkosten mit Zähnen und Klauen und sitzt inzwischen auf einem Leistungsbilanzüberschuss von 300 Milliarden Euro jährlich.

Insgesamt sieht es alles andere als rosig aus. In den USA scheinen der Deep State und die dahinter stehende Oligarchie im Angesicht der Gefahr des eigenen Falls den Weg bis zum bitteren Ende gehen zu wollen, der im schlimmsten Szenario Weltkrieg III gegen Russland bedeuten könnte. Inwieweit Trump diesen Kurs mitgeht, ob freiwillig oder gezwungen, ist bisher nicht zu beantworten. Dem (sinnlosen) Angriff mit Tomahawks auf Syrien stehen verbale Entspannungsansätze gegenüber Russland entgegen. Einer der größten Lichtblicke hingegen ist ebenfalls ein älterer Mann: Jeremy Corbyn. Der Labour-Vorsitzende im Vereinigten Königreich hat etwas Faszinierendes geschafft: Gegen die versammelte Medienmeute hat er einen Sieg der Tories verhindert und das Ergebnis von Labour deutlich verbessert. Neueste Umfragen sehen inzwischen sogar eine deutliche Mehrheit für Corbyns Partei. Besonders das extrem gute Abschneiden bei den jungen Wählern lässt darauf hoffen, dass TINA auf der Insel seinen ersten schweren Schlag erhalten könnte.

Auch der Beweis der Unsinnigkeit des Austeritätskurses durch die linke portugiesische Regierung weckt Hoffnungen auf eine andere Politik in der EU. Griechenland ist inzwischen zu einer deutschen Kolonie mutiert und kann keinen Widerstand mehr gegen die Angriffe aus Berlin leisten. Italien und Spanien hingegen könnten zur Bruchstelle im fragilen EU-Gebilde werden. Während in Italien die nächsten Banken wanken und die 5-Sterne-Bewegung auf dem Weg an die Macht ist, hält sich in Spanien Ministerpräsident Rajoy nur noch angeschlagen an der Macht – Katalonien steht trotz aller Drohungen vor der Unabhängigkeitserklärung. Osteuropa ist hingegen fest in erzkonservativer Hand. Für Frankreich zeichnet sich ein verspäteter deutscher Weg ab. Die neue Lichtgestalt Macron möchte die Agenda 2010 in unser Nachbarland importieren. Der Widerstand der Straße dürfte ihm dafür gewiss sein. Nicht nur deshalb greifen die Verhängung von Ausnahmezuständen sowie der Ausbau von Überwachung und Zensur sowohl in Frankreich als auch in anderen Ländern wie Deutschland weiter um sich.

Dort kann sich Bundeskanzlerin Merkel aufgrund der Weigerung von SPD und Grünen, eine sozialere Politik zu betreiben, schon fast sicher als erneute Kanzlerin sehen. Fraglich ist eigentlich nur noch, in welcher Koalition: wieder zusammen mit der SPD, oder mit FDP und/oder Grünen. Im besten Fall kann Merkel sogar alleine regieren. Die zusätzliche  Unterstützung durch die Medien erlaubte es der großen Koalition auch, die Privatisierung voranzutreiben und damit Autobahnen und Schulen für die Erträge der Reichen nutzbar zu machen. Es zeigt sich, dass die Geldelite noch die meisten Trümpfe in der Hand hält, in Deutschland, Frankreich und den USA stärker als anderswo. In diesem Zusammenhang ist die gesteigerte Zusammenarbeit der deutschen Wirtschaft mit Russland positiv zu sehen, da sie ein Gegengewicht zur Kriegspropaganda gegen den „bösen Putin“ darstellt. Lenkt Deutschland nach der Bundestagswahl in der Eurokrise nicht ein, investiert der nächste Finanzminister nicht kräftig und dümpeln die Löhne weiter dahin, werden Euro und Europäische Union zerfallen.

Alles in allem muss man festhalten, dass sich ein sehr differenziertes Bild ergibt: Vieles hat sich nicht gebessert oder ist sogar schlechter geworden, andererseits gibt es auch einige Punkte, die sich zum Positiven gewendet haben. Es gibt viele „Baustellen“, die einen schnellen weltweiten Absturz einleiten können. Wichtigstes Anliegen muss es sein, die Menschen über die realen Umstände zu informieren. Aber solange sowohl private als auch öffentlich-rechtliche Medien diesem Auftrag nicht gerecht werden, bleibt nur das Vertrauen in die sozialen Medien, die Bevölkerung aufzuklären. Angesichts der dort geplanten Eingriffe des Staates ein zartes Pflänzchen der Hoffnung.

Kommentar hinterlassen zu "Gibt es noch Hoffnung?"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*