Götterdämmerung bei der Presse?

Es läuft nicht wirklich gut für die Printmedien. Die Einnahmen der Tageszeitungen in Deutschland aus Werbeanzeigen gingen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2012 um 9,4 Prozent zurück. 9,4 Prozent! Die einzigen Antworten, welche die Branche auf diesen dramatischen Einbruch bisher gefunden hat, zeigten nur wenig Erfolg: Höhere Abo- und Einzelhandelspreise, Entlassung von Mitarbeitern und Diversifizierung im Digitalbereich. Es stellt sich die Frage, wie lange die Verlage noch an der Preisschraube ihrer Produkte drehen können, wenn im Internet die meisten Informationen auch kostenlos verfügbar sind. Unter dem Abbau von Redaktionspersonal leidet die Qualität und die Ausdehnung des Leistungsspektrums auf Internetportale, welche nur peripher etwas mit Journalismus zu tun haben, verwässert den Markenkern und die Glaubwürdigkeit des Mediums.


Bei der Leipziger Volkszeitung sollen 36 Stellen in der Redaktion abgebaut werden. Damit setzt sich der Kahlschlag in den Redaktionen deutscher Tageszeitungen fort. Lokalredaktionen werden geschlossen und zusammengelegt oder gleich in der Zentrale gebündelt. Mit der Fusion von Print- und Onlineredaktion können ebenfalls gleich einige Mitarbeiter ihren Schreibtisch räumen. Die angespannte Situation bei den Tageszeitungen zeigt sich auch beim letzten Tarifabschluss. Während in anderen Branchen mindestens 2 Prozent Lohnsteigerung erreicht wurden, teilweise sogar eine 3 vor dem Komma steht, müssen sich die Redakteure mit einem Plus von etwa 1,7 Prozent begnügen. Lohnstopp, Gefahr der Kündigung, ständige Umgestaltung der Redaktion – nicht gerade ideale Voraussetzungen, um Qualitätsjournalismus zu gewährleisten. Wäre das alles nicht schon schlimm genug, verstärkt der Druck auf die Redakteure auch noch die einseitige Berichterstattung. Weniger Zeit für den einzelnen Redakteur bedeutet eben auch, dass die Pressemeldung von der Nachrichtenagentur oder der kostenlose PR-Bericht von der großen Stiftung nicht mehr so genau geprüft werden, sondern auch mal nahezu unverändert in das Redaktionssystem wandern.

Der Rückgang der Werbeeinnahmen könnte allerdings auch einen positiven Nebeneffekt bewirken. Die Abhängigkeit der Medien von den Anzeigekunden schwindet. Damit würde sich eine Möglichkeit bieten, Missstände aufzudecken, die bisher auf Rücksicht gegenüber zahlungskräftigen Unternehmen unter der Decke gehalten wurden. Sei es durch vorauseilenden Gehorsam der Redakteure oder das Eingreifen des Chefredakteurs. Print ist noch nicht tot, liegt jedoch unverkennbar schwer krank im Bett. Die Tageszeitungen befinden sich im größten Umbruch ihrer Geschichte. Das Internet stellt die Branche vor eine größere Herausforderung als Radio oder Fernsehen es je taten. Die Möglichkeit zur günstigen, nahezu kostenlosen Verbreitung von Informationen schlägt den Verlagen ihre Lizenz zum Gelddrucken aus der Hand. Internetgiganten wie Google schöpfen den Werbemarkt im Web zu großen Teilen ab – während für viele Verlage nur noch die Brosamen übrig bleiben. Hieraus erklärt sich auch der verbissene Kampf gegen den Suchmaschinen-Riesen, bei dem Springer & Co. bisher jedoch auf verlorenem Posten stehen.

Wie könnte die Lösung für die Tageszeitungen aussehen? Der Schlüssel liegt in der Qualität der angebotenen Informationen. Die Konzentration auf die Kernkompetenz, die Recherche und Einordnung von den unzähligen Informationen, die auf die Bürger einprasseln, wäre erstes Gebot. Stattdessen verlieren sich die Verlagsoberen in Leistungsschutzrecht, Stellenabbau und SEO-optimierten Beiträgen. Haben die traditionellen Tageszeitungen also möglicherweise gar keine Zukunft mehr? Treten Andere an deren Stelle? Projekte wie Krautreporter zehren noch stärker am Patienten Tageszeitung. Schafft es dieses Projekt, 900.000 Euro für ein werbefreies Medium einzusammeln, könnte es der Auftakt zu einer neuen Medienlandschaft sein. Und selbst wenn die Finanzierung nicht gelingen sollte – der Anfang ist gemacht. Andere „Redakteurs-Kollektive“, enttäuscht von der Gängelung bei den großen Verlagen oder von diesen gleich ganz vor die Tür gesetzt worden, könnten zum Sargnagel der Tageszeitungen werden. Knackpunkt wird die Glaubwürdigkeit der neu geschaffenen Medien sein. Gelingt es diesen, das Image von Blogs als „Klowänden des Internets“ bei der Mehrheit der Bundesbürger abzustreifen, könnten viele Tageszeitungen in ein paar Jahren den Insolvenzantrag stellen müssen.

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