Große Koalition oder „Jamaika“

Der Blick in die redaktionsinterne Glaskugel zur Bundestagswahl am Sonntag hat folgende Werte ergeben: CDU/CSU 35 Prozent, SPD 22 Prozent, Grüne 7,5 Prozent, FDP 9 Prozent, Linke 10 Prozent, AfD 12 Prozent, Sonstige 4,5 Prozent (Die PARTEI 1,0 Prozent). Hinter den Schätzungen für die Ergebnisse der einzelnen Parteien stehen natürlich nicht hellseherische Fähigkeiten, sondern Berechnungen, in die Ergebnisse der vergangenen Bundestagswahlen, die Umfragewerte von fünf Meinungsforschungsinstituten und deren Zuverlässigkeit sowie der herrschende Trend einbezogen wurden. Diese Werte wurden subjektiv noch einmal um die Intention der „Sonntagsfrage“-Steller bereinigt. Vor allem die Schätzungen für Union, SPD und AfD wurden stärker angepasst, da hier wohl eine gewollte Fehleinschätzung von Infratest dimap, Allensbach und Co. vorliegt.

Ausgehend von den genannten Zahlen bedeute dies:

  1. Möglich wären von den als wahrscheinlich angesehenen Koalitionen nur noch eine große Koalition oder eine schwarz-gelb-grüne „Jamaika-Koalition“. Verlässlicher für Kanzlerin Merkel wäre sicher eine Neuauflage des Bündnisses mit den Sozialdemokraten. Allerdings würde dies selbst die Nerven der SPD-Basis vermutlich überstrapazieren und die SPD bei der nächsten Wahl in Richtung kleine Parteien schicken. Doch für ein paar Ministersessel ist Schulz, Gabriel und den anderen Parteivorderen sogar dieser Schritt zuzutrauen.
  2. Union und SPD kommen nur noch auf knapp 60 Prozent. Selbst bei einer großen Koalition wären so weitere Abrissarbeiten am Kern des Grundgesetzes ausgeschlossen (außer eine der kleineren Parteien aus der Opposition würde sich darauf einlassen).
  3. Stärkste Oppositionspartei wäre die AfD. Gauleiterand als Oppositionsführer – Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg schon bessere parlamentarische Zeiten erlebt.
  4. Es ziehen sieben Parteien in den Reichstag ein. Die Zersplitterung der Parteienlandschaft ginge munter weiter – was jedoch kein Nachteil sein muss.
  5. Medien können eine Partei in den Bundestag zurückholen. Die devote Lindner-fixierte Berichterstattung verfängt beim Wahlvolk und beschert der FDP ein Comeback auf der großen Bühne Bundestag. Fraglich bleibt nur, wie lange dieser Effekt anhalten wird, wenn die meisten Wähler der Liberalen bemerken, dass sich die Partei überhaupt nicht geändert hat.

In der kommenden Woche werden wir diese Prognose mit dem Wahlergebnis vergleichen – und bis Sonntagabend hoffen, die Linkspartei möge doch vor der AfD landen.

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