Gute Bomben, böse Bomben

By U.S. Air Force photo by Staff Sgt. Michael B. Keller [Public domain], via Wikimedia Commons

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Krieg ist tödlich. Vor allem auch für Zivilisten. Eigentlich ist diese Erkenntnis eine Binsenweisheit. Doch manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass vielen Politikern und Journalisten dies nicht bewusst ist. Wobei es sich dabei wohl eher um eine partielle Unwissenheit handeln muss. Fallen den Bomben der westlichen Allianz und ihrer Verbündeten aus dem Nahen Osten Männer, Frauen und Kinder zum Opfer, die nichts mit dem Kriegsgeschehen zu tun haben, handelt es sich dabei immer um Kollateralschäden. Sind hingegen Zivilisten bei russischen oder syrischen Angriffen getötet worden, wird über Kriegsverbrechen schwadroniert und die Einrichtung einer Flugverbotszone gefordert. „Der Postillon“ brachte diese Diskrepanz treffend auf den Punkt: Kind in Mossul froh, von guten USA statt von bösen Russen zerbombt zu werden.

Wie ist es möglich, dass nicht mehr Menschen im Westen diese offensichtliche Verdrehung der Tatsachen erkennen? Haben noch zu viele Bürger Vertrauen in die Medien – oder wollen sie gar nicht wissen, was in den Kriegsgebieten geschieht? Manchmal ist es doch ganz angenehm, nicht zu erfahren, dass im Jemen Tausende Zivilisten von Saudi-Arabien in einem Proxy-Krieg gegen den Iran getötet werden. Erst gestern meldete Spiegel Online zum Syrien-Konflikt: „Anti-IS-Koalition soll Hunderte Zivilisten getötet haben“. Tragen solche Meldungen wirklich dazu bei, in mehr Menschen die Erkenntnis reifen zu lassen, dass es keinen chirurgisch präzisen Krieg geben kann? Es in einem Krieg nicht möglich ist, Zivilisten gänzlich zu verschonen.

Die Qualitätsmedien berichten ausführlich über die Angriffe der russischen und syrischen Streitkräfte in Ost-Aleppo.  Wenn von Saudi-Arabien über 140 Menschen bei einem Luftangriff auf eine Trauerfeier im Jemen getötet werden, fällt die Berichterstattung bescheidener aus. Außerdem werden solche Meldungen neutraler formuliert und in Erklärungen eingebettet, die Verständnis für die Notwendigkeit der Angriffe wecken sollen. Es kann gar nicht oft genug wiederholt werden: Menschen sehen das Weltgeschehen durch die Augen der Medien. Wenn diese jedoch ein einseitiges Bild liefern, kann auf dieser Basis keine unabhängige Entscheidung erfolgen.

Besonders dramatische Folgen könnte diese Entwicklung haben, wenn Hillary Clinton als künftige US-Präsidentin den Bürgerkrieg in Syrien wie bereits angekündigt weiter eskaliert. Als NATO-Bündnispartner könnte sich die Beteiligung Deutschlands am Syrienkrieg nicht mehr auf die Aufklärung mit Tornado-Flugzeugen beschränken. Für reine Machtpolitik würden dann noch viel mehr deutsche Soldaten geopfert, als dies bereits bisher geschehen ist. Ganz zu schweigen von einem drohenden Atomkrieg. Es ist höchste Zeit, dass die Qualitätsmedien ihren Kriegskurs verlassen und nicht mehr weiter von „guten“ und „bösen“ Bomben schwadronieren.

 

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