Haarscharf an absoluter Mehrheit vorbei

Auf einen langweiligen Wahlkampf folgte gestern Abend ein historisches Ergebnis bei der Wahl zum 18. Deutschen Bundestag. Die FDP ist zum ersten Mal seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr im höchsten deutschen Parlament vertreten. Bundeskanzlerin Angela Merkel fehlen nur fünf Sitze zur absoluten Mehrheit. Grüne und Linke mussten Verluste hinnehmen, während die Alternative für Deutschland nur knapp an der 5-Prozent-Hürde scheiterte. Die vor einem Jahr hochgehandelten Piraten spielten dagegen keine Rolle.

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel einen ungefährdeten Sieg einfahren, und sogar einige Zeit mit einer absoluten Mehrheit liebäugeln konnte, war den Gesichtern bei den Anhängern der FDP der Schock anzusehen. 4,8 Prozent der Wählerstimmen reichten nicht zum Sprung über die 5-Prozent-Hürde und damit stehen die Liberalen vor der größten Herausforderung ihrer Parteigeschichte. Besonders dramatisch für die FDP ist das Abschneiden der Alternative für Deutschland, die am Ende bei ihrem ersten Antreten nur 0,1 Prozentpunkte dahinter landete. Der mögliche Nachfolger steht somit schon bereit. Einziger Lichtblick war der äußerst knappe Einzug in das hessische Parlament.

Herausforderer und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kann sich wie erwartet in Zukunft wieder anderen Dingen zuwenden. Nachdem er eine Stellung als Minister in einer Bundesregierung unter Merkel ausgeschlossen hat, stehen zukünftig sein Bundestagsmandat und seine Nebenbeschäftigungen im Mittelpunkt. 25,7 Prozent sind für die SPD, die an sich den Anspruch stellt, eine Volkspartei zu sein, eine eher mickrige Ausbeute. Dies bedeutet zwar eine Steigerung um 2,7 Prozentpunkte gegenüber 2009, doch im Gegensatz zu damals war die SPD Oppositionsführer und hätte ein besseres Ergebnis erwarten lassen.

Sollte es zu einer Großen Koalition kommen, stellt die Linke mit 64 Abgeordneten die größte Oppositionsfraktion im neuen Bundestag. Mit 8,6 Prozent verlor man zwar 3,3 Prozentpunkte, dennoch zeigten sich die Parteivorderen mit dem Abschneiden zufrieden. Ganz anders bei den Grünen, die nach zweistelligen Umfragewerten auf der Zielgerade der Wahl noch abstürzten und 8,4 Prozent der Wählerstimmen erhielten. Wie nach den Umfragen zu erwarten war, konnten die Piraten ihr Ergebnis von der letzten Wahl nur geringfügig auf 2,2 Prozent steigern. Damit steht die Partei vor einer schwierigen Zukunft.

Erste personelle Konsequenzen aus dem Wahlergebnis wurden bereits heute gezogen. So haben die Grünen angekündigt, im Herbst den Bundesvorstand neu zu wählen. Bei der FDP haben sowohl der ehemalige Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle als auch der Parteivorsitzende Philipp Rösler ihren Rückzug bekanntgegeben. Übernehmen soll das Kapitänsamt auf dem angeschlagenen liberalen Parteischiff der bisherige Parteivorsitzende in Nordrhein-Westfalen Christian Lindner.

Kommentar hinterlassen zu "Haarscharf an absoluter Mehrheit vorbei"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*