Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied

Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Leistungsfähigkeit eines Menschen, sowohl geistig als auch körperlich, zu einem großen Teil von seinen Genen bestimmt wird. Der genaue Anteil schwankt je nach Studie, bei der Intelligenz legen Untersuchungen einen Anteil von 70 bis 80 Prozent nahe. Der fehlende Teil wird durch die Umwelt bestimmt, auch wenn verkappte Eugeniker wie Herrnstein und Murray oder Sarrazin dies gerne verleugnen. Von staatlicher Seite wird versucht, den Einfluss der sozioökonomischen Herkunft zu verringern. Bei uns in Deutschland in den Siebzigern mehr, seit den Achtzigern deutlich weniger. Geschehen soll dies vor allem durch ein gerechteres Bildungssystem, das bestehenden Nachteilen entgegenwirkt und diese im günstigsten Fall sogar aufhebt. Es steht außer Frage, dass diese Anstrengungen von den bisherigen Gewinnern der Lebenslotterie torpediert werden. Durchaus erfolgreich, wie zum Beispiel die Studienabschlussquote von Arbeiterkindern zeigt, die noch immer weit unter der von Akademikerkindern liegt.

Aber einmal angenommen, es würde gelingen, unter welcher Bundesregierung auch immer, den Einfluss der Umwelt auf die Leistungsfähigkeit nahe null zu senken, blieben die Unterschiede aufgrund der ererbten Anlagen bestehen. In unserer Gesellschaft gilt die Annahme, dass jemand erfolgreich ist, weil er sich anstrengt – und dass jemand erfolglos ist, weil er sich nicht anstrengt. Abgesehen davon, dass viele „Leistungsträger“ ihren Erfolg den ererbten Millionen – eine besondere Form von guten Genen – verdanken, muss man sich folgende Frage stellen: Ist die Möglichkeit, sich überhaupt anstrengen zu können, nicht auch im Erbmaterial angelegt und somit bereits vorher determiniert?

Wenn man diese Frage mit Ja beantwortet, welche Schlussfolgerungen zieht man dann daraus? Müsste eine solche Erkenntnis nicht dazu führen, eine komplette Nivellierung der Einkommen anzustreben, da erbliche Unterschiede keine Differenzierung rechtfertigen? Aber würden sich Menschen dann überhaupt noch anstrengen, wenn sie keine in ihren Augen angemessene Gegenleistung dafür erhalten? Eine Antwort, vor allem eine objektive, fällt schwer, weil viele Aspekte abgewogen werden müssen. Aber zumindest eine Erkenntnis sollte man aus den angestellten Überlegungen ziehen: Arbeitslose verallgemeinernd als faul zu betrachten, ist nicht angebracht. Die meisten von ihnen möchten einer Erwerbsarbeit nachgehen, finden jedoch keine Stelle. Und selbst bei den wenigen, auf die diese Einstellung nicht zutrifft, muss man fragen: Warum sind sie dazu nicht in der Lage? Liegt es vielleicht an den Genen, oder noch schlimmer, an der Umwelt, ergo im Speziellen am gegebenen gesellschaftlichen Rahmen?

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