Kapital schlägt Arbeit

Grafik 2:Bereinigte Lohnquote in G20-Industrieländern, 1991-2013

Grafik 2: Bereinigte Lohnquote in G20-Industrieländern, 1991-2013

Grafik 3: Bereinigte Lohnquote in einigen ausgewählten europäischen Ländern, die am stärksten von der Eurokrise betroffen sind, 1991-2013

Grafik 3: Bereinigte Lohnquote in einigen ausgewählten europäischen Ländern, die am stärksten von der Eurokrise betroffen sind, 1991-2013

Grafik 4: Durchschnittlicher Reallohnindex, 2007-13

Grafik 4: Durchschnittlicher Reallohnindex, 2007-13

Die ILO (International Labour Organization) zeigt in ihrem Global Wage Report, dass die Reallohnquote in den Industriestaaten seit 1999 deutlich zurückgegangen ist. Während die Arbeitsproduktivität zwischen 1999 und 2013 um 17 Prozent zunahm, stieg der Reallohnindex nur um gut 6 Prozent. Damit vergrößerte sich der Anteil der Kapitaleinkommen am Bruttoinlandsprodukt deutlich.

Die Entwicklung der bereinigten Lohnquote (Grafik 2) zeigt dabei in den verschiedenen Ländern ein unterschiedliches Bild. Im längerfristigen Trend, ausgehend vom Jahr 1991, hat sich unter den Industriestaaten der G20 überraschend das Vereinigte Königreich an die Spitze gesetzt. Dennoch sank auch hier die Lohnquote. Der Wert für Deutschland sank von 62 Prozent im Jahr 1991 auf 55 Prozent im Jahr 2007. Erst seit Beginn der Krise stieg er wieder auf 58 Prozent. Während in allen anderen beobachteten Staaten die Lohnquote sank, konnte Frankreich den Stand von 1991 halten. Den Rückgang führt die ILO auf mehrere Gründe zurück: Drängen der Finanzmärkte auf hohe Gewinne, Globalisierung des internationalen Handels, Technologiewandel und der gleichzeitige Abbau der Verhandlungsmacht von Gewerkschaften.

Bei allen „Krisenstaaten“ in der Eurozone zeigt sich eindeutig, dass die Wirtschaftskrise 2008 zunächst zu einem Anstieg der Lohnquote führte. Erst durch die Austeritätspolitik sank der Anteil der Löhne am BIP wieder deutlich. Besonders hart traf es dabei Griechenland. Auffällig ist zudem die volatile Ausprägung der irischen Werte. Dort ging die Lohnquote von 60 Prozent (1991) auf 47 Prozent (2002) zurück, um anschließend wieder auf 56 Prozent (2009) emporzuschnellen.

Betrachtet man die Entwicklung im Laufe der Wirtschaftskrise genauer, fallen unterschiedliche Trends ins Auge. Die zugrunde liegenden Ursachen finden sich aber oftmals nicht in der Krise selbst begründet. So führt die ILO den deutlichen Anstieg des Reallohnindexes in Kanada und besonders Australien auf die gestiegenen Rohstoffpreise zurück, die dort zu einem Boom führten. Die Reallöhne sind in Deutschland nach den Ergebnissen der Studie von 2007 bis 2013 um 2,7 Prozent gestiegen. Negative Werte hingegen ergeben sich für Italien und das Vereinigte Königreich, die sinkende Reallöhne hinnehmen mussten. Laut der Low Pay Commission fielen die Löhne im Vereinigten Königreich sogar so stark wie noch nie seit dem Beginn der Aufzeichnungen 1964. Überraschend stellt sich die Entwicklung in Portugal dar, wo sogar ein Reallohnanstieg zu verzeichnen war. Umso dramatischer dafür die Lage in Griechenland. Dort sank der Reallohnindex um fast 25 Prozent. Gründe dafür liegen laut ILO in politischen Maßnahmen, die unter anderem eine Senkung des Mindestlohns um 22 Prozent für ungelernte Arbeiter mit 25 Jahren oder älter und eine Senkung um 32 Prozent für jene unter 25 umfassten. Außerdem wurden die Gehälter im öffentlichen Dienst mehrfach gesenkt, was zu einem Rückgang der Staatsausgaben für Gehälter um 23 Prozent führte.

Kommentar hinterlassen zu "Kapital schlägt Arbeit"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*