Inflation frisst Lohnsteigerungen auf

Noch Ende November verkündete das Statistische Bundesamt, dass die tariflichen Monatsverdienste in Deutschland im dritten Quartal durchschnittlich um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen sind. Doch wie stark die Lohnstrukturen differieren, zeigt die heutige Meldung aus Wiesbaden: Bezieht man alle Löhne mit ein, also auch die von nicht tarifgebundenen Arbeitnehmern, ergibt sich lediglich ein Nominallohnplus von 1,3 Prozent. Zusammen mit dem Anstieg der Verbraucherpreise um 1,6 Prozent folgt daraus ein Reallohnverlust von 0,3 Prozent. Und für das ganze Jahr droht sogar der erste Rückgang seit dem Krisenjahr 2009.

Während die Gewerkschaften sich bei ihren Aktionen vor allem auf ihre Mitglieder konzentrieren, verlieren die aus den Tarifverträgen ausgeschlossenen Arbeitnehmer immer mehr den Anschluss. Besonders im Dienstleistungssektor müssen sich viele Menschen mit geringen Lohnsteigerungen abfinden, da hier die Gewerkschaften in vielen Branchen über nur geringe Macht verfügen und sich die Arbeitnehmer mit den angebotenen Lohnerhöhungen zufriedengeben müssen, auch wenn dies einen Kaufkraftverlust bedeutet. Aber nicht nur im dritten Quartal 2013 dürften die Arbeitnehmer an Kaufkraft verloren haben, auch für das Gesamtjahr 2013 wird ein Minus erwartet.

{slider Durchschnittliches Bruttomonatseinkommen 3.462 Euro}

Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente in Deutschland im dritten Quartal 2013 ohne Sonderzahlungen durchschnittlich 3.462 Euro brutto im Monat. Doch dieser hohe Wert täuscht über die tatsächliche Gehaltsverteilung hinweg, da hohe Bruttomonatslöhne den Durchschnitt nach oben ziehen. Das Median-Einkommen lag etwa 2010 laut Statistischem Bundesamt bei lediglich 2.864 Euro.

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Besonders dramatisch ist diese Entwicklung deshalb, weil auch der Export schwächelt. Alle positiven Prognosen für das kommende Wirtschaftsjahr sind davon ausgegangen, dass die Binnennachfrage zum tragenden Pfeiler eines Aufschwungs wird. Die Schätzungen liegen zwischen 1,4 und 2,0 Prozent, jedoch könnte ein Rückgang bei den Löhnen dafür sorgen, dass diese allzu optimistisch ausgefallen sind. Denn nicht nur die schwächere Binnennachfrage könnte so zu einem Problem für die Konjunktur werden – auch die Investitionen dürften bei diesen negativen Erwartungen nicht übermäßig steigen. Wie weit Ankündigung und Wirklichkeit auseinander liegen, kann man zurzeit auch wieder beim Weihnachtsgeschäft feststellen. Dort wird vom Einzelhandel das alljährliche Märchen vom boomenden Weihnachtsgeschäft verbreitet, während unter dem Strich dann lediglich ein Anstieg der Umsätze in Höhe der Inflation oder sogar noch darunter übrig bleibt.

Der geringe Nominallohnanstieg in Deutschland bedeutet aber auch für Europa nichts Gutes. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer gestrigen Regierungserklärung die Europapolitik zum wichtigsten Thema der Legislaturperiode erklärt hat, verschärft das geringe Lohnplus die Lage für die „Krisenländer“. Deutschland kann so die Staaten in der Peripherie, ja sogar Frankreich und die anderen Nachbarländer, durch die damit künstlich gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit niederkonkurrieren. Einer weiteren Zuspitzung der Eurokrise im nächsten Jahr ist damit Tür und Tor geöffnet.

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