Kinderspielchen gehen weiter

Zumindest der große Knall ist über Ostern ausgeblieben. Die Eurozone umfasst nach wie vor 19 Staaten. Doch die Gefahr eines Ausscheidens Griechenlands ist nach wie vor nicht gebannt. Mit jedem Tag, an dem sich die Verantwortlichen in Berlin und Brüssel einer wirklichen Lösung verweigern, steigt diese Gefahr sogar noch an. Die Schätzungen, wann dem griechischen Staat das Geld ausgeht, gehen weit auseinander. Viel hängt davon ab, wie viele Euros die Syriza-Regierung noch aus den unterschiedlichsten Quellen zusammenkratzen kann. Doch eines ist klar: Spätestens im Sommer kommt es zum großen Showdown zwischen der von Deutschland geführten Troika und Griechenland.

Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass Merkel Griechenland aus dem Euro drängen möchte. Die Gefahr, die von einer „Ansteckung“ anderer EU-Länder mit dem Virus „marktferne Demokratie“ ausginge, scheint für die deutsche Bundesregierung größer zu sein als ein Grexit – ob geplant oder ungeplant. Für Athen ist die Lage jedoch dramatisch. Täglich schwindet der Handlungsspielraum und auch die Grabenkämpfe innerhalb Syriza werden intensiver, je mehr Zugeständnisse Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis in ihrer finanziellen Not gegenüber der Troika machen müssen.

Da bleibt auch ein von deutscher Seite in die Nähe des Hochverrats gestellter Antrittsbesuch in Russland nur eine kleine Provokation, bietet aber keine Lösung. Solange politischen Hinterbänklern in den Medien die Chance eingeräumt wird, den Griechen zu empfehlen, endlich die Hausaufgaben zu machen, besteht keine Hoffnung auf Besserung. Man muss sich, wie Jens Berger von den Nachdenkseiten dies auch zum Ausdruck gebracht hat, in dieser Zeit schämen, ein Deutscher zu sein.

Oberlehrerhaft wird darauf gepocht, die menschenverachtende Austeritätspolitik entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse fortzusetzen. Man erkenne zwar die Anstrengungen des griechischen Volkes an, aber um die „Erfolge“ nicht zu gefährden, müsse dieser Weg nach Mordor in die wirtschaftliche Prosperität weitergegangen werden. Die griechische Wirtschaft liegt am Boden und ist wohl nur noch Monate davon entfernt, komplett im Ruin zu versinken. Spätestens ein ungeordneter Austritt wäre der Todesstoß für die griechischen Unternehmen, deren Schulden nach einem Grexit nicht einfach verschwinden würden.

Zwar könnte der Staat nach einem Default große Geldsummen aufbringen, um Wirtschaft und Banken mit einer eigenen Währung zu stützen. Ob dies allerdings ausreichen würde, um eine komplette Zerstörung der griechischen Wirtschaft zu verhindern, kann wohl niemand mit Gewissheit vorhersagen. Die Europäische Union und Angela Merkel können sich in diesem Fall dann vermutlich dazu gratulieren, mit der Goldenen Morgenröte die erste neonazistische Regierung innerhalb der EU (oder im Falle eines Austritts Griechenlands zumindest in einem früheren EU-Land) ermöglicht zu haben. Wenn man sieht, mit welchem Eifer das Bashing gegen die Griechen von Medien und den einschlägigen Politikern betrieben wird, ist nicht einmal gänzlich auszuschließen, dass dies sogar die Intention hinter der Griechenlandkrise darstellt. Doch man muss nicht einmal so weit gehen, um die Verwerflichkeit des Treibens der deutschen Bundesregierung zu begreifen. Um die eigene Wirtschaft vor einem Zusammenbruch zu schützen, wird ein ganzes Volk in Geiselhaft genommen. Erinnerung an dunkelste deutsche Kapitel in der Geschichte werden so wieder wach.

Bildnachweis: Wladyslaw/Wladyslaw SojkaCC BY-SA 3.0

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