Kommt der nächste Finanzcrash?

Die Finanzkrise von 2008 ist überwunden – sagen die Optimisten. Wir sind noch mitten drin in der Krise, meinen die Pessimisten. Die Ansichten über die derzeitige Lage der globalen Ökonomie gehen unter den Experten weit auseinander. Doch ein Indikator zeigt, dass wir möglicherweise vor dem nächsten großen Crash stehen. Der Rückgang des Ölpreises könnte einen deutlichen Hinweis darauf liefern, dass das Schlimmste noch nicht vorbei ist, sondern erst noch auf uns zukommt.

Setzt man den Ölpreis (WTI) vom 31. Januar 2014 und 2. Januar 2008, dem Jahr, in dem am 15. September die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach und die Finanzkrise auslöste, auf einen Index von 100, erkennt man Übereinstimmungen. Der größte Unterschied in der Entwicklung des Ölpreises zeigte sich kurz vor dem Lehman-Zusammenbruch. Damals stieg der Ölpreis noch einmal deutlich an, bevor er in die Knie ging. Aber anschließend zeigen sich deutliche Parallelen: Der Preis für die Ölsorte WTI sank innerhalb von vier Monaten um über 50 Prozent.

Es ist schwierig zu sagen, welchen Einfluss die Spekulation auf den starken Rückgang des Ölpreises hatte. Aber selbst wenn dieser Anteil hoch sein dürfte, lässt sich die dramatische Situation dennoch nicht kleinreden. Ein Absturz des wichtigsten globalen Handelsgutes auf weniger als die Hälfte seines Wertes innerhalb kürzester Zeit ist eine Extremsituation.

Allerdings darf nicht unterschlagen werden, dass es auch andere Erklärungsversuche für den derzeitigen Preissturz gibt. So sollen wahlweise die USA, Saudi-Arabien oder sogar beide im Duett den Ölpreis manipulieren, um den Iran, Russland, Venezuela oder andere Staaten des Bösen zu schädigen. Stichhaltige Beweise gibt es dafür allerdings nicht. Besonders die USA haben wenig Interesse daran, ihre mit Krediten finanzierte Fracking-Industrie zu gefährden. Bliebe noch Saudi-Arabien als Kandidat für eine mögliche Preismanipulation. Ob dem wahhabistischen Golfstaat soviel Unabhängigkeit vom großen Bruder USA zuzutrauen ist, dürfte fraglich sein.

Bliebe also immer noch die Möglichkeit, dass der abgestürzte Ölpreis einen Indikator für kommendes wirtschaftliches Ungemach darstellt. Genügend Gründe für einen erneuten Crash gäbe es: Die ungelöste Eurokrise, die immer noch schwächelnde US-Wirtschaft, der ins Stottern geratene ökonomische Motor in China, ungelöste Konflikte in der Ukraine, Syrien, Libyen und vielen anderen Ländern der Peripherie. Zudem wird von den Zentralbanken weiterhin Geld in Massen gedruckt, das die Aktienkurse nach oben schießen lässt. Gewissheit wird wie immer erst die Wirklichkeit bringen. Aber überrascht sollte man von einem erneuten Ereignis lehmanscher Ausmaße nicht sein. Wie wäre es denn mit einem Schuldenausfall Griechenlands, nur mal so als Beispiel?

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