Linke = Antisemiten?

Von konservativer Seite wird immer wieder behauptet, dass die Kritik an Israel im Nahostkonflikt von der linken Seite nicht darauf beruht, die Unterdrückung der Palästinenser zu kritisieren, sondern im Grunde in einem latenten Antisemitismus begründet liegt. Mehrere Studien von Wilhelm Kempf, die demnächst wohl unter dem Titel „Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee. Eine Spurensuche“ als Buch erscheinen, widerlegen diese Vorwürfe jedoch eindrucksvoll, zumindest was die Selbsteinschätzung der Wähler „linker“ Parteien betrifft.

Aus den ermittelten Daten (Stand: 2010) konnte Kempf drei Hauptgruppen im Hinblick auf den Nahostkonflikt ausmachen. Zunächst einmal „Rechte“ (Anteil: 26 Prozent), die starke Vorbehalte gegenüber Zionismus und Juden, aber auch gegen Palästinenser und den Islam hegen. Diese sind nur in geringem Maße über den Konflikt informiert. Als zweite Gruppe die „Israelfreunde“ (Anteil: 31 Prozent), mit wenigen Kenntnissen über den Nahostkonflikt. Und schließlich als dritte Gruppe die „Palästinafreunde“ (Anteil: 44 Prozent), die am besten über die verworrene Lage vor Ort informiert sind, aber auch eine gespaltene Meinung dazu haben. Es besteht in dieser Gruppe keine Einigkeit darüber, mit welchen Mitteln dieser Konflikt beendet werden könnte – mit oder ohne Einsatz von Gewalt.

Betrachtet man die Parteienpräferenz der befragten Studienteilnehmer, werden mehrere Punkte deutlich. Zunächst einmal fällt der hohe Wert an „Rechten“ für Anhänger rechter Parteien (NPD, Republikaner) auf. Die Studien bestehen damit einen Art Lackmustest im Hinblick auf die Zuverlässigkeit. Dass unter den Unionswählern die größte Gruppe (36 Prozent) den „Rechten“ zuzuordnen ist, wirft ein bezeichnendes Licht auf das Wählerpotential, das CDU und CSU anziehen. Ebenfalls sehr erhellend die Werte für die FDP: Der Anteil der „Rechten“ ist sogar geringer als bei der Linken und damit der zweitniedrigste. Dies dürfte bei der AfD, die zum Zeitpunkt der Untersuchung noch gar nicht bestand und sich selbst gerne als Nachfolgepartei der Liberalen sieht, deutlich anders aussehen.

Aber nun zum Kern der Frage, ob die Linken Antisemiten sind. Die Werte der „Palästinafreunde“ sind sowohl bei der Linken, als auch bei SPD und Grünen, so man diese als linke Parteien einordnen möchte, jeweils die höchsten. Und bei allen drei ist der Anteil der „Rechten“ der kleinste. Die konkreten Werte: SPD 25 Prozent, Linke 21 Prozent, Grüne 13 Prozent. Damit dürfte klar sein, dass der Vorwurf gegen die Linken, ein großer Teil von ihnen sei antisemitisch eingestellt, haltlos ist. Der Anteil ist bei allen drei Parteien sogar deutlich niedriger als in der Durchschnittsbevölkerung. Wer aber wie die Union einen Wert an „Rechten“ über dem Bevölkerungsdurchschnitt aufweist, muss wohl mit haltlosen Anschuldigungen an die Gegenseite, die freudig und ungeprüft von den Mainstreammedien verbreitet werden, um sich werfen.

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