Märchenstunde reloaded

Allmonatlich erreicht uns von der GfK frohe Kunde darüber, wie konsumfreudig die Deutschen doch sind – in Jubelarien dem staunenden Publikum dargebracht von der gleichgeschalteten Presse wie etwa in SPON. Und auch das Statistische Bundesamt reiht sich ein in die Reihe der Verkünder positiver Nachrichten von der Konsumfront. Aktuelles Beispiel: „Einzelhandelsumsatz im Mai 2014 real um 1,9 % höher als im Mai 2013“. Doch wenn man dann weiter liest, erfährt man, dass der Mai 2014 einen Verkaufstag mehr hatte als der Mai 2013. Hier werden also Feigen mit Datteln verglichen. Zieht man den sinnvolleren Vergleich nach Berücksichtigung von Kalender- und Saisoneffekten heran – in diesem Fall das Verfahren Census X-12-ARIMA -, stellt sich heraus, dass der Umsatz im Vergleich zum Vormonat real um 0,6 Prozent gesunken (!) ist. Die richtige Überschrift wäre also gewesen: „Einzelhandelsumsatz gesunken“. Doch wieso werden diese von keinen Fakten gedeckten Jubelmeldungen immer wieder unter das Volk gebracht?

Zunächst zur GfK. Diese gehört mehrheitlich dem GfK-Verein, der sich aus dem Who-is-who der deutschen Industrie und der deutschen Medienbranche zusammensetzt. Und nachdem bekanntlich gilt, „wes‘ Brot ich ess, des‘ Lied ich sing“, fallen die Ergebnisse des GfK-Konsumklimaindexes meist im Sinne der Wirtschaft aus. Und diese hört nun einmal gerne, dass die Deutschen wie verrückt konsumieren – wenn es auch nicht stimmt. Schwieriger stellt sich die Lage beim Statistischen Bundesamt dar. Als Bundesbehörde müssten die Meldungen eigentlich neutral formuliert werden. Eigentlich. Denn natürlich gibt es auch beim Statistischen Bundesamt jemanden, der Einfluss nehmen kann. Und in diesem Fall dürfte es die Politik sein.

Der Bundesregierung ist natürlich lieber, wenn die Schlagzeile in der Zeitung oder im Fernsehen lautet „Einzelhandelsumsatz real um 1,9 Prozent gestiegen“, auch wenn dies objektiv betrachtet nur die halbe Wahrheit ist. Dementsprechend dürfte die Besetzung der entscheidenden Stellen beim Statistischen Bundesamt erfolgen. Aufsichtsbehörde ist in diesem Fall das Bundesministerium des Inneren. Wie in so vielen anderen Fällen auch, lässt „das Kapital“, ob direkt oder indirekt, das von den Medien gezeichnete Bild aufhübschen. Da werden dann schon mal absolute statt reale Zahlen benutzt, Kalender- und Saisoneffekte nicht berücksichtigt oder Umfragewerte hervorgeheben, die von keinen realen Zahlen untermauert werden. Und das alles, um einen Boom zu erfinden, den es nicht gibt. Getreu dem Motto: „Uns allen geht es gut.“

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