Manipulation des Tages (I)

In der neuen Rubrik „Manipulation des Tages“ weisen wir auf Medienberichte hin, die erkennbar den Zweck haben, die Mediennutzer über den wahren Informationsgehalt im Dunkeln zu lassen. Stattdessen soll der Meldung eine andere Bedeutung untergeschoben werden. Wir beginnen diese Serie mit einem Beitrag, der auf Süddeutsche.de erschienen ist.

Der Bericht behandelt die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. An sich ein ganz üblicher Vorgang, der dafür sorgt, dass die Sozialversicherungsabgaben an die steigenden Löhne angepasst werden. Die Beitragsbemessungsgrenzen werden anhand einer festgelegten Formel berechnet. Doch die Süddeutsche Zeitung schafft es, daraus einen „Arbeitnehmer werden vom Staat ausgeraubt“-Artikel zu machen. Mit der Überschrift „Sozialbeiträge steigen deutlich“ wird der Eindruck erweckt, dass alle Arbeitnehmer von dieser Maßnahme betroffen sind. Doch die Anhebung betrifft nur Einkommen über 3937,50 Euro brutto im Monat. Die bisher geltende Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung soll ab 2014 auf 4000 4050 Euro angehoben werden. Für die Renten- und Arbeitslosenversicherung gilt bisher ein Grenzbetrag von 5800 Euro, der ab 1. Januar auf 5950 Euro steigen soll.

Um die Dramatik der Auswirkungen dieser Anhebung zu verstärken, werden Monats- und Jahreswerte miteinander verglichen:

„Auf einen Single mit einem Monatslohn von 4000 Euro kommen im Jahr zusätzliche Ausgaben von knapp 45 Euro zu.“

Dieser Vergleich von Äpfeln und Birnen hört sich doch viel dramatischer an als die Gegenüberstellung gleicher Werte: „Auf einen Single mit einem Monatslohn von 4000 Euro kommen im Monat zusätzliche Ausgaben von knapp 4 Euro zu.“ Die Steigerung beträgt also nicht einmal 1 Promille. Man muss schon sagen, die Sozialbeiträge steigen wirklich deutlich.

Damit der Artikel einem dem Qualitätsjournalismus angemessenen Rahmen erhält, wurde im Vorspann dann auch gleich noch ein Fehler eingebaut. Auf den oben zitierten Satz über den Single mit einem Monatslohn von 4000 Euro folgt die Aussage:

„Auf ein Ehepaar mit zwei Kindern 225 Euro.“

Damit wird der Eindruck erweckt, dieses Mehr an Sozialabgaben würde sich ebenfalls auf einen Bruttomonatslohn von 4000 Euro beziehen. Doch dieser Anstieg ergibt sich erst bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von mindestens 5.950 Euro.

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