Misstrauen ja – Wechsel nein

Die Krise des Printjournalismus wird gerne zu einer Krise des Journalismus generell umgedeutet. Doch dies ist nicht zutreffend. Die Bedeutung von unabhängigem Journalismus ist in den vergangenen Jahren sogar größer geworden. Mit dem Schwenk eines Teiles der Mediennutzer von der gedruckten Tageszeitung, dem Radiogerät und dem Fernseher hin ins Internet ist zwar auch die journalistische Vielfalt gewachsen – sie wird jedoch von diesem nur in geringem Maße genutzt. Noch nie zuvor bestand die Möglichkeit, seine politischen Ansichten, Meinungen und Recherchen einem so breiten Publikum zugänglich zu machen. Doch genutzt werden nach wie vor von großen Teilen der Bevölkerung die bekannten Medien, die von großen Konzernen mit ihren eigenen Interessen und Abhängigkeiten von der Werbeindustrie veröffentlicht werden.

Die ARD-Onlinestudie aus dem vergangenen Jahr bestätigt den Eindruck, dass die Menschen zwar immer stärker das Internet auch für die Information über politische Geschehnisse nutzen – allerdings vor allem die Online-Ableger der Konzern-Medien, zu denen neben dem Platzhirsch Spiegel Online etwa bild.de, süddeutsche.de oder welt.de zählen. Gegenüber dieser Übermacht an „konventionellen“ Nachrichten haben die Betreiber von Blogs und kleinen, nicht zu Medienkonzernen gehörende Angebote, nur eine geringe Reichweite zu verzeichnen. Während zum Beispiel die „NachDenkSeiten“, das Flaggschiff konzernunabhängiger politischer Berichterstattung, es nach eigenen Angaben auf bis zu 70.000 Besucher täglich bringen, verzeichnet Spiegel Online über 4 Millionen Visits am Tag.

Lediglich 14 Prozent der Befragten der ARD-Onlinestudie hatten sich am vergangenen Tag über aktuelle Ereignisse aus Deutschland im Internet informiert. Hingegen taten dies 48 Prozent im Fernsehen, 22 Prozent im Radio und 21 Prozent in der Tageszeitung. Obwohl die Bedeutung von Online-News immer stärker wächst, dominieren nach wie vor die traditionellen Medien, allen voran das Fernsehen, bei der Information über aktuelle Geschehnisse. Und wie bereits gezeigt, sind die wichtigsten Anlaufstellen im Internet die bekannten Online-Auftritte dieser Konzernmedien. Wie sehr eine unabhängige Berichterstattung nötig wäre, verdeutlicht der derzeitige Krim-Konflikt. In den „Mainstream-Medien“ finden sich nahezu durchgehend Versatzstücke aus den Zeiten des Kalten Krieges. Über die Rechtmäßigkeit der neuen ukrainischen Regierung etwa findet man nur spärlich Beiträge, die sich damit objektiv auseinandersetzen und diese Legitimität nicht einfach als gegeben voraussetzen.

Man sollte sich keinen falschen Hoffnungen hingeben. Die große Mehrheit der Bürger informiert sich aus den herkömmlichen Medien – die Blogs und kleinen Onlinemagazine, zu denen auch politecho zählt, fristen ein Schattendasein. Solange das geringe Vertrauen der Bevölkerung in die Glaubwürdigkeit der Journalisten nicht dazu führt, dieses Misstrauen mit einem Wechsel der besuchten Seiten zu bestrafen, wird sich an dieser Situation auch wenig ändern.

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