Pest oder Cholera?

pest_cholera

Donald Trump hat keine Chance mehr. So lautete die einhellige Meinung der deutschen Medien nach Bekanntwerden der frauenfeindlichen Äußerungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten aus dem Jahr 2005. Doch die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache: Zwar verfügt laut RealClearPolitics Hillary Clinton in den Umfragen über einen klaren Vorsprung, doch um von einer Entscheidung sprechen zu können ist es noch viel zu früh. Allein die 113 Wahlmännerstimmen, die noch keinem Kandidaten eindeutig zuzurechnen sind, könnten für eine große Überraschung und ein böses Erwachen in den deutschen Parteizentralen und Medienhäusern sorgen. Rechnet man mit ein, dass auch nur ein kleiner Teil der Teilnehmer an den Umfragen seine Sympathie für Trump lieber für sich behält, könnte dies aufgrund des amerikanischen Wahlsystems schnell zu einem Swing in ausreichend vielen Staaten sorgen.

Doch selbst wenn Hillary Clinton es aufgrund der geballten Medienmacht auf ihrer Seite ins Weiße Haus schaffen sollte – wäre das wirklich ein Vorteil für die USA oder Deutschland? Clinton ist eine Marionette der Wall Street. Aufgrund der vorliegenden Beweise ist diese harte Formulierung durchaus gerechtfertigt. Außerdem steht die Kandidatin für einen aggressiven außenpolitischen Kurs. Der Bürgerkrieg in Syrien ist auch ein Produkt ihres Handelns. Wer kann dafür garantieren, dass Clinton in ihrer Selbstüberschätzung nicht den Iran angreifen würde? Überlegungen dazu gibt es bereits seit weit über einem Jahrzehnt. Alle bisherigen Interventionen folgten einem Plan: Irak, Afghanistan, Syrien, Libyen. Und als finaler Punkt steht in diesem Plan der Sturz der Regierung in Teheran. Fallen Bomben auf den Iran, wird der gesamte Nahe Osten kurz darauf lichterloh in Flammen stehen.

Andererseits darf auch nicht verleugnet werden, dass mit Trump ein Rassist das Präsidentenamt bekleiden würde. Die negativen Auswirkungen, die bei Clinton besonders in der Außen- und Finanzpolitik drohen, sind bei Trump vor allem im Sozial- und Gesellschaftsbereich zu befürchten. Er würde wohl nicht zögern, die wenigen Fortschritte der Obama-Regierung wieder rückgängig zu machen. Homosexuelle, Nicht-Weiße und Frauen wären vermutlich die Leidtragenden einer Präsidentschaft von Trump.

Zusammengefasst bedeutet dies nichts anderes, als dass den US-Wählern zwei Kandidaten zur Auswahl stehen, die für die Bevölkerungsmehrheit negative Folgen haben werden. Wobei eine Wahl Trumps wohl zu größeren Nachteilen führen würde. Aus deutscher Sicht hingegen könnte eine Wahl Clintons aufgrund der außenpolitischen Implikationen zu negativen Konsequenzen führen.

Selten wurde so offenkundig deutlich, wie kaputt das System in seinem Kern ist. Sowohl Clinton als auch Trump sind im Volk größtenteils schlecht angesehen, werden teilweise sogar gehasst. Bernie Sanders hätte wohl eine Chance geboten, das Vertrauen in die Politik zumindest zu einem Teil wiederherzustellen. Doch die demokratische Partei betrog ihn um seinen Sieg bei den Vorwahlen. So bleibt den amerikanischen Wählern letztlich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Kommentar hinterlassen zu "Pest oder Cholera?"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*