Rein oder nicht rein – das ist hier die Frage

Es ist schwer zu sagen, worüber ich mehr verärgert sein sollte: Dass alle Witze über die FDP schon gemacht wurden und ich deshalb keinen phantasiereichen Einstiegsgag nutzen kann, oder diese menschenverachtende Partei voraussichtlich wieder in den Deutschen Bundestag einzieht? Für die Bundesbürger dürfte sicher ein Wiedereinzug die größere Katastrophe darstellen.

 

Genau wie bei der Landtagswahl in Niedersachsen vor einigen Monaten könnten die Liberalen auf einer Zweitstimmenwelle von Unionsanhängern in das Parlament reiten. Wie die apokalyptischen Reiter könnten sie vier weitere Jahre zusammen mit CDU und CSU die Bundesrepublik in Angst und Schrecken versetzen – außer Bundeskanzlerin Merkels Furcht vor Brüderle, Rösler und Co. ist so groß, sie in Gabriels Arme zu treiben.

Noch eine Legislaturperiode Schwarz-Gelb würde bedeuten, dass die drängenden Probleme weiter auf die lange Bank geschoben werden. Dass die Eurokrise weiter verschärft wird – wobei auch eine Koalition mit der SPD hier keine bedeutenderen Verbesserungen bringen würde – und die sozialen Grausamkeiten der Agenda 2010 in einer Agenda 2020 fortgeschrieben und verstärkt würden. Auch der überraschende Ruf nach Steuersenkungen dürfte laut werden.

Doch noch besteht eine kleine Hoffnung, dass dieser Kelch an uns vorübergeht. Dieser Hoffnungsschimmer funzelt ausgerechnet aus Bayern ins Land. Dort ist es bei der Landtagswahl der CSU am vergangenen Sonntag gelungen, die FDP aus dem Maximilianeum fernzuhalten. Nur 3,3 Prozent  standen am Ende für die „Mövenpick-Partei“ zu Buche. Die Christsozialen schafften es, ihren Koalitionspartner „zu Tode zu umarmen“ (SPD-Herausforderer Christian Ude). Da die CDU eine Zweitstimmenkampagne im Bund ablehnt, musste die FDP in ihrer Not diese selbst lostreten: „Wer Merkel haben will, wählt FDP“, sagte der Spitzenkandidat Rainer Brüderle am Montag. Das ist natürlich hanebüchener Unsinn, denn wer Merkel haben will, kann genauso gut die Union selbst wählen – oder SPD beziehungsweise die Grünen, denn beide wären einer Koalition mit der Union sicher nicht abgeneigt. Aber seit wann zählt bei der FDP schon die Realität. Es scheint sogar Voraussetzung für ein höheres Amt bei den Liberalen zu sein, unter einer starken Form der Realitätsverzerrung zu leiden.

Bei der Bundestagswahl 2009 errangen die Liberalen 14,6 Prozent der Wählerstimmen. Es folgte ein nahezu beispielloser Absturz in der Wählergunst. Themeneinfalt, Korruptionsvorwürfe und interne Machtkämpfe ließ die Umfragewerte und Wahlergebnisse schmelzen wie Schnee in der Sonne. Die Partei ist derzeit nur noch in 9 von 16 Bundesländern im Parlament vertreten. Bei den Landtagswahlen in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und dem Saarland schaffte es die „Fast-Drei-Prozent“-Partei sogar, der spöttischen Erklärung ihrer Abkürzung gerecht zu werden.

In den Umfragen schwankt sie derzeit um 5 Prozent und damit genau an der entscheidenden Schwelle. Ein paar Stimmen könnten den Ausschlag geben.

Sollte die FDP am kommenden Sonntag wirklich an der 5-Prozent-Hürde scheitern, dürfen sich die Parteioberen Gedanken über eine Anschlussverwendung machen. Ich hätte einen Vorschlag: Die Partei auflösen und die wichtigsten Exponate aus deren Geschichte seit 1982 zwischenlagern. Diese könnten in einigen Jahren einen herausgehobenen Platz in einem Museum des Kapitalismus finden – in der Abteilung „Der Anfang vom Ende“.

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