Russischer Bär soll gezähmt werden

Im ukrainischen Bürgerkrieg zeigt der Westen bei der Schuldfrage mit allen verfügbaren Fingern auf Wladimir Putin. Er soll nach der Krim nun auch die Ostukraine zurück ins „Sowjetreich“ holen wollen. Doch während man für eine Unterstützung der Separatisten zumindest einige Beweise vorlegen kann, die diesen Schluss nahelegen, ist der angebliche Wunsch nach Expansion eine reine Erfindung. Was hingegen unwiderlegbar ist, ganz abgesehen auf welchem Weg Putin dies erreicht hat, ist die Erfolgsgeschichte Russlands, die unter seiner Führung geschrieben wurde.

1999 lag Russland am Boden – sowohl wirtschaftlich, als auch gesellschaftlich. Oligarchen hatten sich die Filetstücke des russischen Teils aus dem Sowjet-Kadaver herausgeschnitten. Übrig geblieben war eine Ökonomie, die ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von etwa 1.300 US-Dollar erwirtschaftete. Unter dem ersten Präsidenten Russlands, Boris Jelzin, der wohl mehr dem Genuss von Wodka als den Staatsgeschäften nachging, zerbrach das Land. 1999 dann übernahm Wladimir Putin zunächst als Ministerpräsident, ab 2000 auch als Präsident die Geschicke des Landes.

Auf seinem Weg nahm er sicher nicht den demokratischsten Weg. Konkurrenten wie Michail Chodorkowski wurden aus dem Weg geräumt. Dennoch darf dabei nicht übersehen werden, in welchem Zustand Putin das Land übernommen hatte. Aufbauend auf diesen Trümmern, die nach dem Raubzug der Oligarchen aus Russland selbst und dem Westen zurückblieben, schaffte Putin es, einen wirtschaftlichen Aufschwung zu initiieren. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg auf über 14.000 US-Dollar – und damit innerhalb von 14 Jahren auf das mehr als Zehnfache! Dabei kam ihm sicher auch zugute, dass die Preise für Erdöl und Erdgas stiegen. Dennoch darf die Rolle des amtierenden Präsidenten nicht unterschätzt werden.

Neben dem wirtschaftlichen Aufstieg gelang es auch, die Staatsverschuldung zu verringern. Von 60 Prozent im Jahr 2000 auf 13 Prozent im vergangenen Jahr. Ein Wert, bei dem Wolfgang Schäuble wohl nackt und jubelnd durch das Reichstagsgebäude flitzen würde. Diese geringe Staatsverschuldung macht den russischen Staat weniger abhängig von internationalen Geldgebern. In dieser wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte könnte auch der Grund für den Ukraine-Bürgerkrieg begründet liegen. Die Eskalation ging eindeutig vom Westen aus: Der Putsch gegen den amtierenden Präsidenten Wiktor Janukowytsch wäre unter umgekehrten Vorzeichen sicher genau als das bezeichnet worden – als Putsch. So war es angeblich die Befreiung von einem Diktator.

Die Ukraine soll wohl den Vereinigten Staaten als weiterer Wellenbracher im Kampf gegen Russland dienen. Der wankende Riese USA muss um seine Vormachtstellung bangen. Nachdem nach den Konflikten in Vietnam, Irak und Afghanistan immer deutlicher wird, dass diese Vormachtstellung nicht durch direkte militärische Aktionen zu bewerkstelligen ist, scheint man die Strategie geändert zu haben. Man bringt die Regierungen in den betreffenden Ländern unter Kontrolle und herrscht somit indirekt. Durch seine wirtschaftlich starke Stellung und die inoffizielle „Mitgliedschaft“ im BRICS-Club ist Russland ein starker Gegner für die USA. Mit der Wende in der Ukraine schiebt man die Einflusssphäre ein wenig näher an diesen Gegner heran. Damit steigt allerdings auch die Gefahr, einen unkontrollierbaren Krieg vom Zaun zu brechen.

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