Armut

Nachwachsendes Prekariat

In einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung stellte sich heraus, dass das Essen in vielen Kitas nicht den Vorgaben gesunder Ernährung entspricht. So würde zu viel Fleisch gegessen, im Gegenzug jedoch zu wenig Obst, Gemüse und Fisch. Durchschnittlich koste ein Mittagessen in den Kindertagesstätten 2,40 Euro. Eine gesunde und ausgewogene Mittagsverpflegung würde jedoch nach Berechnungen der Studie 4 Euro kosten.


Genügsamkeit oder Manipulation?

Bei der Wahlberichterstattung in der ARD am vergangenen Sonntag zur Europawahl wurde ein Umfrageergebnis zur persönlichen wirtschaftlichen Situation der Bundesbürger veröffentlicht. Laut dieser Umfrage empfanden nur 16 Prozent der Befragten ihre wirtschaftliche Situation als schlecht. Gestern gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass ein Drittel der Bevölkerung (33,4 Prozent) unerwartet anfallende Ausgaben, etwa für größere Anschaffungen oder Reparaturen, nicht aus eigenen Finanzmitteln bestreiten kann. Wenn ich in finanzielle Schwierigkeiten gerate, wenn eine unerwartete Anschaffung oder Reparatur ansteht, würde ich meine persönliche wirtschaftliche Situation als schlecht einstufen. Worin liegt also diese Diskrepanz begründet? Laut Umfrage empfinden nur 16 Prozent der Deutschen ihre persönliche wirtschaftliche Situation als schlecht, aber 33 Prozent können sich nicht einmal eine neue Waschmaschine leisten und müssten sich dafür verschulden. Sind die Deutschen wirklich so genügsam? Oder könnte doch ein anderer Verdacht eine bessere Erklärung für dieses Missverhältnis liefern? Es ist durchaus bekannt, dass Umfragen einerseits durch die Fragestellung manipuliert werden können. Andererseits kann man wohl davon ausgehen, dass Menschen in einem gesellschaftlichen Umfeld, dass Armut lediglich durch eigenes Verschulden erklärt, davor zurückschrecken, öffentlich zu erklären, sie befänden sich in einer schlechten wirtschaftlichen Lage. Die Mitteilung des Statistischen Bundesamtes zeigt auch noch etwas anderes. Die wirtschaftliche Lage der Privathaushalte…


Apathisch ins gesellschaftliche Abseits

Inge Hannemann erreichte einige Berühmtheit durch ihre Kritik an der Arbeitsweise der deutschen Jobcenter. Die nach wie vor von der Bundesagentur freigestellte Hannemann hat vor einigen Wochen eine Petition beim Bundestag zur Abschaffung von Sanktionen gestartet. Wenn diese von mindestens 50.000 Bürgern mitgezeichnet wird, muss sich der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages mit der Petition auseinandersetzen. Insgesamt über 4 Millionen erwerbsfähige Leistungsberechtigte erhalten Grundsicherung für Arbeitsuchende und würden damit direkt von einem Ende der umstrittenen Sanktionen profitieren. Doch nicht einmal ein Prozent davon hat sich an der Petition beteiligt (Stand 14:30 Uhr). Eine Studie der linken Umtrieben unverdächtigen Bertelsmann-Stiftung hat zudem ergeben, dass vor allem Bürger mit geringen Einkommen der Bundestagswahl 2013 ferngeblieben sind. Diese Politikferne spiegelt sich auch in der geringen Beteiligung an der Petition wider.


Ein Dokument des Scheiterns

  Auf 432 Seiten präsentiert der Datenreport 2013 die wichtigsten statistischen Daten über die Bundesrepublik Deutschland. Besonderes Interesse sollte man dabei auf Kapitel 6 „Private Haushalte, Einkommen, Ausgaben, Ausstattung“ richten. Denn dort wird in klaren Zahlen widerlegt, was die schwarz-gelbe Bundesregierung immer wieder behauptete: „Deutschland geht es gut“. Es mag vielen Menschen in Deutschland gut gehen, aber dies wird auf dem Rücken derjenigen aufgebaut, die Leidtragende der sozialen Schieflage sind. Wer über eine tarifgebundene Vollzeitbeschäftigung verfügt, kann sich glücklich schätzen. Wenn er oder sie nicht in einer Niedriglohn-Branche wie der Gastronomie oder dem Friseurhandwerk arbeiten muss, kann er sich in den meisten Fällen über ein annehmbares Einkommen freuen. Doch der Anteil der Menschen, die sich in atypischer Beschäftigung befinden, ist seit der Wiedervereinigung stark angestiegen und verharrt seit einigen Jahren auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der atypisch Beschäftigten an den Kernerwerbstätigen bei 21,7 Prozent.


Datenreport 2013 bestätigt wachsende Armut

Heute ist der Datenreport 2013 erschienen. Obwohl es in Deutschland noch nie so viele Erwerbstätige gab, steigt die Armut in Deutschland an. Laut dem Datenreport betrifft dies vor allem 55- bis 64-Jährige und Frauen. Dies liegt vor allem an der Ausweitung der Teilzeitarbeit, worauf wir bereits in der vergangenen Woche hingewiesen haben. Wir werden in den kommenden Tagen den Datenreport genauer unter die Lupe nehmen und die wichtigsten Zahlen hervorheben. Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte, kann ihn hier herunterladen.