Kapitalismuskrise

Glänzende Schale, faulender Kern

Auf den ersten Blick strahlt der Kapitalismus einen unwiderstehlichen Reiz aus: Durch das Streben jedes einzelnen Bürgers nach Erfolg und dem Anrecht auf den daraus resultierenden Lohn sorgt er dafür, dass die bestmögliche Wirtschaftsleistung erbracht wird. Das Wachstum der globalen Ökonomie vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg wird vor allem dem System Kapitalismus zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung zeigen sich die Schattenseiten des oberflächlich glänzenden Wirtschaftssystems.


Kommt der nächste Finanzcrash?

Die Finanzkrise von 2008 ist überwunden – sagen die Optimisten. Wir sind noch mitten drin in der Krise, meinen die Pessimisten. Die Ansichten über die derzeitige Lage der globalen Ökonomie gehen unter den Experten weit auseinander. Doch ein Indikator zeigt, dass wir möglicherweise vor dem nächsten großen Crash stehen. Der Rückgang des Ölpreises könnte einen deutlichen Hinweis darauf liefern, dass das Schlimmste noch nicht vorbei ist, sondern erst noch auf uns zukommt.


Werden 2015 die Weichen gestellt?

Das Jahr 2014 neigt sich seinem Ende entgegen. Es war kein gutes Jahr für viele Menschen auf unserer Erde. Die noch viel unangenehmere Nachricht: 2015 könnte ein noch schlechteres Jahr werden. Ein viel schlechteres sogar – der Grundstein dafür wurde in diesem Jahr nachhaltig gelegt.


Kapital schlägt Arbeit

Die ILO (International Labour Organization) zeigt in ihrem Global Wage Report, dass die Reallohnquote in den Industriestaaten seit 1999 deutlich zurückgegangen ist. Während die Arbeitsproduktivität zwischen 1999 und 2013 um 17 Prozent zunahm, stieg der Reallohnindex nur um gut 6 Prozent. Damit vergrößerte sich der Anteil der Kapitaleinkommen am Bruttoinlandsprodukt deutlich.


Auf dem Rücken der Ärmsten

Jetzt ist es amtlich: Selbst die Weltbank, bisher nicht gerade als Wohltätigkeitsorganisation in die Geschichte eingegangen, geht davon aus, dass die Folgen des Klimawandels unumkehrbar sind. Auch wenn der Ausstoß klimaschädlicher Gase extrem reduziert würde, drohen in Zukunft zahlreiche Wetterextreme. Besonders davon betroffen sein werden wie meist die Ärmsten der Welt. In Südamerika, Asien und Afrika werden wohl gleich mehrere Folgen der Erderwärmung zusammentreffen. Erschwerend kommt hinzu, dass diesen Gebieten, etwa im Gegensatz zu Europa und Nordamerika, die finanziellen Mittel fehlen, um angemessen auf die Veränderungen zu reagieren.


Reichtum hinter dem Schleier

Einkommen und Vermögen von Millionären und Milliardären sind in Deutschland schlecht erforscht und werden deshalb höchst wahrscheinlich unterschätzt. Wie groß der Reichtum am oberen Ende der Verteilungsskala genau ist, lässt sich mangels verlässlicher Erhebungen kaum sagen. Aussagekräftige Steuerdaten fehlen ebenso. Sicher ist aber, dass der Abstand zwischen Arm und Reich wächst – was auf die Wirtschaft destabilisierend wirkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.*


Feudale Verhältnisse in unserem Land

Im Jahr 1820 gab es wenige Reiche – und die große Bevölkerungsmehrheit musste von Glück sagen, wenn genug Essen auf dem Tisch stand. Hunger muss heutzutage in unserem Land so gut wie niemand mehr leiden, wenn er auch dazu die Hilfe der Tafeln in Anspruch nehmen muss. Aber an der Einkommensverteilung selbst hat sich in den vergangenen 200 Jahren nicht viel geändert. Oben das „1 Prozent“, unten die breite Masse. Auch die „Bildungsoffensive“ der vergangenen Jahrzehnte hat daran nur wenig ändern können, wie eine Untersuchung der OECD zeigt.


Deutschland in der Stagnation

0,4 und 0,1 Prozent Wirtschaftswachstum in den Jahren 2012 und 2013. Das sind nicht die nackten Zahlen der „Euro-Krisenländer“ Frankreich oder Italien. Nein. Es sind die Werte eines Landes, das sich dafür rühmt, durch Reformen fit gemacht zu haben für die Zukunft. Das durch die Schaffung eines Niedriglohnsektors die Einkommen der Arbeitnehmer gesenkt hat und so seine Nachbarn niederkonkurrieren konnte. Ja, die Rede ist von Deutschland. Aber nicht nur das Bruttoinlandsprodukt hat sich in den beiden vergangenen Jahren mäßig entwickelt. Das Arbeitsvolumen, also die von allen Erwerbstätigen geleistete Arbeitszeit, ist in den beiden vergangenen Jahren um jeweils 0,3 Prozent gesunken. Auf diesen Umstand weisen Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff* hin. Mit den wohlklingenden Meldungen über Ifo-Index, Konsumlaune, optimistische (und längst revidierte) Prognosen und Eigenlob der Regierenden soll in deren Augen diese Wahrheit verschleiert werden. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt sehe alles andere als rosig aus: „Auf die trübe Lage deutete bereits die fast gleich bleibende Zahl der Arbeitslosen (rund 3 Millionen) und der erwerbsfähigen Leistungsbezieher (rund 5 Millionen ‚Arbeitslosengeld-EmpfängerInnen‘ nach SGB II und SGB III) hin. Fakten, denen die Aufschwungseuphoriker wenig Bedeutung zumaßen.“ Deutschland drohe keine Stagnation, sie befinde sich bereits in einer Stagnation. Von 2008, dem letzten…


Der Abgrund rückt näher

Es war keine große Überraschung mehr, als EZB-Chef Mario Draghi gestern die Leitzinssenkung auf 0,15 Prozent bekanntgab. Und auch der Strafzins für von Banken bei der europäischen Zentralbank gesicherte Einlagen kam nicht überraschend. Ebenso wenig sollte die Reaktion der deutschen Medien auf diesen bisher einzigartigen Vorgang in der Europäischen Union überraschen. Von seltenen Ausnahmen abgesehen war die Hauptsorge nicht der Fortbestand der gemeinsamen Währung oder eine Linderung der jahrelangen sozialen Katastrophe in den „Krisenländern“, nein, den Kommentatoren ging es vor allem darum, dass die deutschen Sparer um ihre „verdienten“ Zinsen gebracht werden für das Geld, das sie auf die hohe Kante gelegt haben.


Investitionen wirksamstes Mittel gegen Konjunkturflauten

Öffentliche Investitionen sind ein gutes, schnell wirkendes Mittel, um eine Konjunkturflaute abzumildern. Jeder Euro, den der Staat zusätzlich investiert, steigert die Wirtschaftsleistung um 1,30 bis 1,80 Euro. Das zeigt eine neue Meta-Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), für die mehr als 100 internationale Studien ausgewertet wurden. Steuersenkungen wirken deutlich schwächer auf die Konjunktur.