Medien

Die Frankreich-Wahl in der Tagesschau

Die Tagesschau lieferte gestern um 20 Uhr ein interessantes Beispiel dafür, wie Medien dezent ihre Zuschauer manipulieren. Im Beitrag zur Frankreich-Wahl (ab Minute 1:33) wurde alleine mit der Länge der Berichterstattung über die vier aussichtsreichsten Kandidaten deutlich, welche Präferenzen man in der Tagesschau-Redaktion hegt. So wurden Macron 18 Sekunden Sendezeit zuteil, für Le Pen standen 9 Sekunden zur Verfügung. Während Fillon es auf 14 Sekunden Beitragszeit brachte, blieben für Mélenchon lediglich 5 Sekunden. Es ergibt sich also folgende Reihung nach Sendezeit: Macron, Fillon, Le Pen, Mélenchon. Zufälligerweise stimmt diese auch mit der Einschätzung der Kandidaten durch die Redaktion überein. Macron war in den vergangenen Wochen und Monaten der Liebling der Tagesschau und wurde zur Lichtgestalt hochgejubelt. Fillon stürzte über eine Affäre, wurde aber dennoch als vernünftige Alternative zu Le Pen und Mélenchon präsentiert. Passend dann auch der Off-Text zur Vorstellung von Jean-Luc Mélenchon: „(Der bekennende Katholik [François Fillon, Anm. d. V.] hatte in den letzten Tagen aufgeholt), genau wie der Kandidat der radikalen Linken, Jean-Luc Mélenchon“. … genau wie der Kandidat der radikalen Linken, Jean-Luc Mélenchon. Ein Nebensatz, in den auch noch der Vorwurf einfließen konnte, dass Mélenchon radikal links ist – obwohl er eigentlich nur traditionelle sozialdemokratische Forderungen stellt….


Jetzt hilft nur noch Zensur

Wenn man sein Weltbild aus den Mainstreammedien ableitet, könnte man meinen, alles ist in Ordnung. Man könnte das merkelsche Mantra „Deutschland geht es gut“ als bestätigt ansehen. Doch sind die Mainstreammedien ein geeigneter Ort, um die Lage der Menschen in Deutschland richtig einzuschätzen? Sind sie ein geeigneter Ort, um die Situation der Menschen auf der gesamten Erde einzuordnen? Die Mainstreammedien zeigen lediglich einen Ausschnitt der Wirklichkeit, der den Anschein einer heilen Welt erweckt. Womit wir auch schon beim Thema dieses Beitrags wären: Wirklichkeit. So gerne ich Hoffnung verbreiten würde, verdüstern sich die Aussichten, dass in den nächsten Jahren, vielleicht schon 2017, diese scheinbar heile Welt auch in Deutschland zerbrechen könnte. Wenn es wirklich allen Deutschen gut gehen würde, wieso zeichnen dann so viele Bürger vornehmlich im Internet ein Bild, das dem von den führenden Medien verbreiteten Bild entgegensteht? Die abweichende Meinung wird von den Medien dann auch schon mal gerne als Fake-News gebrandmarkt.


Fakten, Fakten, postfaktisch?

„Postfaktisch“. So lautet das neueste „Argument“ der Leitmedien, ihren schwindenden Zugriff auf die Meinung im Volk zu erklären. Es würden bei vielen Wählern nur noch Emotionen statt Fakten bei politischen Entscheidungen zählen. So werden Abstimmungsergebnisse wie der Brexit oder die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten erklärt. Dabei nutzte die Politik die „Wahrheit“ stets nur in homöopathischen Dosen und setzte stattdessen auf Gefühle und „Persönlichkeiten“. Verquickt mit den Verlautbarungen der Leithammel der führenden Medien entstand so eine Melange der Desinformation – im Gegenzug eine Win-win-Situation für Politik und Presse. Während die einen Zugang zu Informationen erhielten, sonnten sich die anderen im Glanze der positiven Berichterstattung. Doch dieses Bündnis bekommt Risse. Nicht von innen, diese Adhäsionskräfte werden in letzter Zeit sogar noch stärker, sondern von außen durch einen bösen Feind namens Internet.


Die Propaganda von der Putin-Propaganda

Spiegel, SZ, FAZ, ARD und ZDF, RTL und Zeit – Putin ist dort meist die Inkarnation des Bösen. Doch die Mär vom machthungrigen und unberechenbaren Schrecken aus dem Osten wird nicht nur in den üblichen Medien verbreitet. Die Ausführungen finden sich auch in Publikationen, die auf den ersten Blick eher zur Planung seichter Unterhaltung dienen. Am Beispiel des Beitrags „Die Lügenfabriken des Wladimir Putin“ in der Fernsehzeitschrift TVMovie soll exemplarisch gezeigt werden, wie Leser manipuliert werden.


Mainstream-Satire

Immer wieder hat sich die „heute-show“ im ZDF gegenüber der sonstigen einseitigen Berichterstattung des Senders positiv abgehoben. Doch die Sendung vom vergangenen Freitag lässt Zweifel aufkommen, ob die redaktionelle Unabhängigkeit wirklich noch gegeben ist. Sowohl die Beiträge über Griechenland als auch Russland waren von den üblichen Halb- und Unwahrheiten aus Mainz kaum noch zu unterscheiden. Ob da die Chefetage mal klar gemacht hat, wo der Spaß aufhört? Leider muss man das befürchten, denn der „Mainstream“ zog sich wie ein roter Faden durch die Sendung.


Die Zukunft des Journalismus

Beeindruckende Zahlen liefert ein Vergleich der Auflagenzahlen deutscher Tageszeitungen mit 2003: Über ein Viertel weniger Exemplare verkauften die deutschen Zeitungsverlage im vergangenen Jahr. Aber der Absturz der Tageszeitungen ist nur das offensichtlichste Symptom des Medienwandels, der in vollem Gange ist. Die Mediennutzung der Bürger, vor allem der jüngeren Bürger, ändert sich grundlegend. Die Bedeutung des Internets wächst immer weiter. Im Gegenzug müssen neben den Tageszeitungen auch Zeitschriften sowie Radio und Fernsehen um das weitere Interesse der Nutzer fürchten. Welche Schlüsse lassen sich aus diesen vorliegenden Daten für die weitere Entwicklung des Journalismus ziehen? In fünf, zehn oder zwanzig Jahren? Obwohl vieles noch offen ist, steht eines fest: Das gewohnte Mediensystem wird es in seiner heutigen Form wohl spätestens im Jahr 2025 nicht mehr geben.


Folksverdummung im WDR

Dem Fernsehen laufen die jungen Leute scharenweise davon. Um sie aus dem Kinderland ähh dem Internet dort abzuholen, nutzen hippe Fernsehsender wie der WDR deshalb jetzt auch Kanäle wie YouTube, um diese Zielgruppe anzusprechen. #3sechzich ist einer dieser Versuche. Wenn das Drehbuch zu dem Dreiminüter „Super Mario vs deutsche Spar-Streber / Die Geldschwemme der EZB“ jedoch direkt von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zu stammen scheint, wird die Verpackung zur Nebensache.


Die Macht der Bilder

1,5 Millionen Menschen nahmen am vergangenen Sonntag in Paris an einem Trauerzug im Gedenken an die Opfer der terroristischen Anschläge teil. An der Spitze Regierungschefs aus der ganzen Welt – unter ihnen Frankreichs Präsident François Hollande, Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. An der Spitze des Zuges? Wie sich erst nach einiger Zeit herausstellte, fanden sich die Staatschefs lediglich zu einem Fototermin in der französischen Hauptstadt ein. Weit ab von den Massen – für die meisten Medien dennoch mittendrin. Zumindest sollte dieser Eindruck vermittelt werden. Auf den Vorwurf der Manipulation hingewiesen, reagierten die Mainstream-Medien wie üblich – mit harschen Vorwürfen gegen die Kritiker.


Keiner beißt die fütternde Hand

Schon seit geraumer Zeit gibt es Hinweise darauf, dass sich Anzeigenkunden in die redaktionelle Berichterstattung von Medien einmischen, in denen Anzeigen geschaltet werden. Lutz M. Hagen, Anne Flämig und Anne-Marie In der Au untersuchten in einer Studie, wie die Darstellung von Unternehmen in den beiden führenden deutschen politischen Wochenzeitschriften mit dem Umfang der Inserate zusammenhängt, die Unternehmen in diesen beiden Medien schalten.  Als zentrales Ergebnis zeigt sich, dass über Unternehmen sowohl im Spiegel als auch im Focus erstens häufiger, zweitens freundlicher, drittens mit mehr Produktnennungen berichtet wird, je mehr Anzeigen diese Unternehmen schalten.


Qualitätsjournalisten verfolgen genialen Plan

Während sich Aluhüteträger, Putin-, Russland- und was-weiß-ich-noch-alles-Versteher sowie andere Verschwörungstheoretiker aller Couleur tagtäglich über die einseitige und unausgewogene Berichterstattung der „Qualitätsjournalisten“ in Foren und eigenen Blogbeiträgen auskotzen, liegen politecho Hinweise vor, die einen unfassbar genialen Plan nahelegen.