Snowden

Nicht so wichtig?

Die ARD führt ein nach eigenen Angaben welt-exklusives Interview mit einem der bekanntesten und vielleicht wichtigsten Männer der Welt. Wann glauben Sie, wird dieses Interview gesendet? Zur Hauptsendezeit in einem „Brennpunkt“ nach der „Tagesschau“? Natürlich nicht. Die ARD sendet dieses TV-Gespräch am Sonntag um 23 Uhr, wenn es für die meisten fleißigen Bürger Zeit fürs Bett wird. Zwar werden die besten Zitate in der vorhergehenden Sendung „Günther Jauch“ kurz eingespielt, dienen jedoch nur als Vorlagen für den üblichen sinn- und nutzlosen Palaver zwischen den üblichen Verdächtigen. Der öffentlich-rechtliche Sender verschenkte damit eine große Chance.


Die Zensur ist im Anmarsch

Edward Snowden könnte in die Geschichtsbücher als einer der bedeutendsten Menschen eingehen. Er könnte jedoch genauso gut zum Symbol werden für das Ende der letzten Reste an Freiheit, die den Bürgern in den westlichen Ländern noch zugestanden wurde. Der Kapitalismus in seiner Raubtierausführung ist an sein natürliches Ende gelangt. Deshalb müssen die Bürger unter allen Umständen daran gehindert werden, diese Erkenntnis ebenfalls zu erlangen. Doch die Enthüllungen von Snowden und Glenn Greenwald bedrohen dieses Unterfangen auf eine gefährliche Weise. Durch konkrete Beispiele, wie das Abhören von Merkels Handy, können auch politisch uninteressierte und medial im Dunkeln tappende Bürger einen Einblick in die herrschenden Zustände erlangen. Was sicher nicht im Interesse der Herrschenden sein kann.


Endlich die Nabelschnur durchtrennen

Seit Monaten berichten die Medien über die Totalüberwachung, welche die Geheimdienste nicht nur in den USA ausüben. Doch das Interesse in großen Teilen der Bevölkerung dafür war gering, und die Bundesregierung versuchte die Tragweite herunterzuspielen. Erst als vorgestern bekannt wurde, dass auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel von den Spionen aus den Vereinigten Staaten ins Visier genommen wurde, herrscht plötzlich helle Aufregung nicht nur in Berlin, sondern in ganz Europa. Warum eigentlich erst jetzt?