Verschwörungstheorien kräftig aufgefrischt

Wer die wahren Interessen der USA verstehen möchte, also die Ziele hinter der Fassade aus Menschenrechten und Demokratie, muss nur die Verlautbarungen der entscheidenden Think Tanks verfolgen. Ganz oben spielt in dieser Liga Strategic Forecasting, Inc., kurz Stratfor. Dessen Gründer und Vorsitzender George Friedman hat Anfang Februar einen Vortrag bei „The Chicago Council on Global Affairs“ gehalten. Titel der Veranstaltung: „Europe: Destined for conflict?“ Der von den deutschen Medien nahezu unbeachtete Vortrag enthält einige interessante Aussagen, welche Überlegungen bestätigen, die in Deutschland oftmals als Verschwörungstheorie abgetan werden.


In der Welt von Friedman gehört Krieg zum Alltag. Auch den Alten Kontinent sieht er zurück auf dem Weg zur „Normalität“:

Europa wird, wie ich vermute, zwar nicht zu den großen Kriegen zurückkehren, aber es wird wieder zum menschlichen Normalfall zurückkehren: Es wird seine Kriege haben, seine Friedenszeiten und es wird seine Leben verlieren. Es wird keine 100 Millionen Tote [wie bei den beiden Weltkriegen, Anm. d. Red.] geben, … aber es wird Konflikte geben. Es gab schon Konflikte in Jugoslawien und jetzt auch in der Ukraine.

George W. Bush sprach im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg von einem alten und einem neuen Europa. In dieser Hinsicht ist auch die folgende Aussage zu verstehen:

Wir haben keine Beziehungen zu Europa, wir haben Beziehungen mit Rumänien, wir haben Beziehungen mit Frankreich, aber es gibt keine mit „Europa“.

Recht deutlich wurde Friedman auch beim Thema Waffenlieferungen:

Die Vereinigten Staaten liefern ans Baltikum Staaten Waffen, Artillerie und andere Militärausrüstung, ans Baltikum, an Polen, Rumänien und Bulgarien.

Nach Friedmans Aussage werden entgegen der Dementis auch an die Ukraine Waffen geliefert. Ob dies bereits geschehen ist oder erst noch erfolgen wird, bleibt unklar. Da es in der NATO ein Veto-Recht für jedes Mitglied gebe, würden die USA bei diesen Handlungen außerhalb der NATO agieren.

Für die USA sei es das Hauptziel, zu verhindern, dass sich deutsches Kapital und deutsche Technologie mit russischen Rohstoffvorkommen und russischer Arbeitskraft verbinden. Eine Kombination, welche die USA seit einem Jahrhundert bedroht. Hierin lag auch das Hauptinteresse der US-Außenpolitik in den vergangenen Jahrzehnten. Um diese Kombination zu verhindern, müsse ein Puffer zwischen Deutschland und Russland geschaffen werden.

Die USA bauen einen „Cordon Sanitaire“ [einen Sicherheitsgürtel aus osteuropäischen Staaten, Anm. d. Red.] um Russland, und Russland weiß es.

Bestandteil dieses Sicherheitsgürtels soll wohl auch die Ukraine werden. Die Reaktion Russlands sei deshalb verständlich:

Die Russen müssen eine neutrale Ukraine haben, keine pro-westliche.

Für Friedman ist die große Unbekannte in Europa das Verhalten Deutschlands.

Die Deutschen haben ein sehr komplexes Verhältnis zu den Russen.
[…] Wer mir eine Antwort darauf geben kann, was die Deutschen in dieser Situation tun werden, der kann mir auch sagen, wie die nächsten 20 Jahre Geschichte aussehen werden.

Wie auf politecho schon oftmals angemerkt, spielt Deutschland eine entscheidende Rolle für die zukünftige Gestalt Europas. Wenn wir uns nicht endlich entschieden gegen die Kriegstreiberei der USA stellen, werden wir in Zukunft in immer mehr Konflikte hineingezogen. Dies kann sicher nicht im Interesse der deutschen Bürger sein. Dies wäre auch die Chance für Angela Merkel, sich einen dauerhaften positiven Eintrag in den Geschichtsbüchern zu sichern. Aber die bisherige devote Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten lässt wenig Raum für derartige Hoffnungen.

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