Wer wählt die AfD?

Es herrschen viele Vorurteile gegenüber AfD-Wählern: Sie seien rechtsextrem, ungebildet und wohnen vor allem in den neuen Bundesländern. Die Auswertung von Karl Brenke und Alexander S. Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung „Wählerstruktur im Wandel“ zeigt nun, dass hinter einigen dieser Vorurteile in der Tat belegbare Fakten stehen. Brenke und Kritikos haben für ihre Untersuchung die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) von 2016 und das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) mit Daten aus dem Jahr 2015 benutzt. Da in diesem Zeitraum die Ausrichtung der AfD ähnlich wie derzeit gelagert war, dürfte sich an den Befunden nicht allzu viel geändert haben. Und wie sieht er nun aus, der typische AfD-Sympathisant? Verkürzt zusammengefasst ist er ein 51-jähriger Mann, der auf dem Land lebt, einer einfachen Tätigkeit nachgeht, dabei unterdurchschnittlich verdient und sich vor Kriminalität und Zuwanderung fürchtet. Vorausgeschickt werden sollte, dass es sich bei den in der Folge genannten Zahlen nicht um echte Wähler handeln muss, sondern lediglich die Parteipräferenz abgefragt wurde.

Genauer aufgeschlüsselt zeigt sich folgendes Bild: Beim Betrachten der Daten ist besonders auffällig, dass 69 Prozent der Wahlberechtigten, die der AfD nahe stehen, Männer sind. Der Anteil von 29 Prozent an AfD-Sympathisanten aus den östlichen Bundesländern (Gesamtheit: 19 Prozent) sticht ebenfalls heraus. Ebenfalls überdurchschnittlich (27 Prozent) finden sich Sympathisanten in Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern (Gesamtheit: 19 Prozent). Spiegelbildlich dazu ist die Präferenz für die AfD in Großstädten unterdurchschnittlich. Ähnlich sieht es bei der beruflichen Bildung aus: Höherer Anteil mit einem Abschluss in Lehre, Fachschule oder als Meister (73/64), geringerer Anteil bei Fachhochschul- und Hochschul-Absolventen (18/24). Interessante Erkenntnis am Rande: Der Anteil bei den AfD-Sympathisanten ohne abgeschlossene Berufsausbildung liegt genau im Durchschnitt aller Wähler.

Im Bereich Erwerbsstatus finden sich folgende auffällige Ergebnisse: Überdurchschnittlich vertreten sind Erwerbstätige in Vollzeit (50/44), was vermutlich im hohen Anteil an männlichen AfD-Sympathisanten begründet liegt. Bei Schülern und Studenten trifft die AfD auf wenig Zustimmung (2/5), bei Arbeitslosen hingegen auf viel (7/3). 34 Prozent der Wahlberechtigten, die der AfD nahe stehen, sind Arbeiter, deutlich mehr als bei allen Wahlberechtigten (19 Prozent). Entsprechend geringer ist der Anteil bei den Angestellten (46/64). Etwas überraschend der hohe Anteil an Selbstständigen (14/10). Hierbei könnte es sich vor allem um Soloselbstständige handeln, die ebenfalls von einem möglichen sozialen Abstieg bedroht sind. Der Anteil der Beschäftigten mit einfachen Tätigkeiten an allen abhängig Beschäftigten liegt mit 36 Prozent deutlich über dem Durchschnitt von 22 Prozent. Ein Alarmsignal für die Gewerkschaften sollte die nächste Zahl sein: Der Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern an allen abhängig Beschäftigten liegt bei den Sympathisanten der AfD mit 24 Prozent über dem Durchschnitt von 19 Prozent.

Das bedarfsgewichtete Mediannettoeinkommen eines AfD-Sympathisanten liegt bei 1533 Euro, während der durchschnittliche Wahlberechtigte 1667 Euro im Monat Einkommen erzielt. Da verwundert auch nicht, dass die soziale Lage sowohl persönlich als auch allgemein schlechter als im Durchschnitt aller Wahlberechtigten eingeschätzt wird. Von diesen schätzen etwa 70 Prozent die persönliche wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut ein, bei den AfD-Sympathisanten sind es lediglich etwas über die Hälfte. Auch bei der Frage nach einem gerechten Anteil am Lebensstandard zeigt sich ein ähnliches Bild: Über 50 Prozent der Bürger, die AfD präferieren, sind der Ansicht, sie erhalten weniger als ihnen zusteht. In der Gesamtheit sind dies nur mehr als 30 Prozent. Nach der Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit befragt, zeigen sich AfD-Sympathisanten ebenfalls pessimistisch. Auf einer Skala von 0 bis 10 vergeben sie 3,32 Punkte, während der Durchschnitt aller Wahlberechtigten hier bei 4,81 liegt. Bei der Frage nach ihren Sorgen wird ein deutliches Muster sichtbar. Es sind vor allem zwei Punkte, die den AfD-Nahestehenden Sorgen bereiten: die Entwicklung der Kriminalität (71/38) und besonders die Zuwanderung nach Deutschland (82/33).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich bei den Sympathisanten der AfD vermehrt um Männer aus der Unterschicht und der unteren Mittelschicht handelt. Ihnen gemein dürfte die Angst vor dem Abstieg auf der sozialen Leiter sein. Sorgen bereiten ihnen zudem die Kriminalität und die Zuwanderung. Zwei Themenfelder, die besonders von der konservativen Presselandschaft in den Vordergrund gerückt wurden. Mit dem Verschwinden der „Flüchtlingskrise“ aus den Schlagzeilen sanken auch die Umfragewerte für die AfD. Doch die SPD steht bereit, um der Alternative für Deutschland unter die Arme zu greifen. Der SPD-Kanzlerkandidat ist vom liegengebliebenen Schulzzug auf den „Flüchtlingskrise“-Zug aufgesprungen. Böse Zeitzeugen würden dahinter das Kalkül vermuten, der AfD zu einem guten Bundestagswahlergebnis zu verhelfen, um damit Schwarz-Gelb zu verhindern und die Tür zu einer weiteren großen Koalition aufzustoßen.

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