Wohin steuert Trump?

Gage Skidmore [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons – Bearbeitung: politecho

Während man Politikern gewöhnlich nach Übernahme der Regierungsverantwortung eine kurze Schonfrist einräumt, hagelt es gegen den neuen US-Präsidenten Donald Trump massive Vorwürfe von allen Seiten. Entgegen den Gepflogenheiten setzt Trump um, was er im Wahlkampf versprochen hat. Ein Novum, wie es scheint. Während das Ende des Freihandelsabkommens TPP und das Verlangsamen der Politik-Lobby-Drehtür zu begrüßen sind, sind einige Entscheidungen des neuen Präsidenten sicher zu kritisieren: der Mauerbau an der Grenze zu Mexiko und das Einreiseverbot für Bürger von sieben muslimischen Ländern. Doch was immer wieder gerne vergessen wird – die Politik der USA vor Trump war bei weitem nicht so positiv, wie sie jetzt fast überall dargestellt wird.

Drohnenangriffe in mehreren Ländern, bei denen viele Zivilisten ums Leben kamen. Der Regime Change in Libyen. Das Anfeuern des Bürgerkriegs in Syrien. Wer weiß, ob dieser nicht bereits eskaliert wäre, wenn Hillary Clinton die Wahl gewonnen hätte. Wie schwierig das weitere Vorgehen Trumps einzuschätzen ist, zeigt das Thema Israel. Während die neue Regierung unter Trump dafür kritisiert wurde, dass sie in einer Mitteilung zum Holocaust-Gedenktag nicht explizit die ermordeten Juden erwähnt hatte, wird ihr von anderer Seite vorgeworfen, sich im Palästina-Konflikt auf die Seite Israels zu stellen. Es scheint ganz so, als wäre alles falsch, was Trump und seine Regierung machen.

Wenn man die Begleitumstände bedenkt, unter denen Trump an die Macht kam, dürfte der Grund für die massive Kritik allerdings woanders zu suchen sein. Der neue Präsident macht keinen Hehl daraus, dass er die Mainstreammedien nicht mag, um nicht zu sagen hasst. Ist es da nicht verständlich, dass von diesen Medien kein gutes Haar an Trumps Entscheidungen gelassen wird? Es ist deshalb besonders wichtig, bei der Bewertung der Berichterstattung immer diese Auseinandersetzung im Hinterkopf zu behalten.

Wie kompliziert die Einstufung der aktuellen Ereignisse ist, kann man auch an der Diskussion über den Rosneft-Deal erkennen. Im Dezember vergangenen Jahres wurde bekanntgegeben, dass 19,5 Prozent des russischen Ölkonzerns an Katar und den Rohstoffhändler Glencore verkauft wurden. Doch es gibt Zweifel daran, ob die beiden Genannten die wirklichen Käufer sind. Es wird sogar vermutet, Trump selbst habe die Anteile an Rosneft erhalten – als Gegenleistung für die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland. Ob an dieser Geschichte etwas dran ist? Nahezu unmöglich zu sagen.

Dies trifft genauso auf die Frage zu, welchen Weg Donald Trump beschreiten wird. Es kann sein, dass er das Präsidentenamt lediglich dazu nutzt, um sich selbst zu bereichern. Es kann auch sein, dass er geleitet von seinen Beratern die USA in den Faschismus führt. Es kann aber auch sein, dass Trump den Sumpf in Washington tatsächlich trockenlegt. Das wäre auch eine Begründung für das Medienecho, schließlich würden sich auch Frösche beschweren, wenn man ihr Biotop zerstört. Die nächsten Monate werden zeigen, welche dieser Überlegungen zutrifft. Vielleicht werden wir noch mehr überrascht, und eines Tages entsteigt der Eichhörnchenfrisur ein kleines Alien und verkündet den Weltfrieden. Hundertprozentig ausschließen würde ich momentan selbst das nicht mehr.

Kommentar hinterlassen zu "Wohin steuert Trump?"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*